04.08.2021 11:15 |

Nach rechts gekippt

Corona-Demos: Esoterisches Denken weit verbreitet

Corona-Demo-Teilnehmer haben nicht nur einen Hang zu Verschwörungstheorien, sie sind auch gegenüber „esoterischem Denken“ sehr offen eingestellt - das geht aus einer Analyse einer Wiener Forschungswerkstatt hervor. Nach den politischen Vorlieben gefragt, zeigt sich ein deutlicher Trend der Protestierenden in Richtung des rechten Parteispektrums.

Mit ihrer Analyse wollten die Wissenschaftler der Siegmund-Freud-Privatuniversität sowie der Universität Wien mehr Klarheit über die Zusammensetzung der Teilnehmer bei den Corona-Demos und ihre Einstellungsmuster schaffen. Ein erster Zwischenbericht dazu wurde am Mittwoch vorgelegt.

Teilnehmer rücken an den rechten Rand
Wie schon erste Aufschlüsselungen der Parteipräferenzen zeigten, setzt sich das politische Profil der Protestierenden vor allem aus drei Parteien zusammen. Knapp ein Drittel gab an, bei der letzten Nationalratswahl die FPÖ gewählt zu haben. Und auch die beiden Regierungsparteien sind mit jeweils knapp über 20 Prozent der Teilnehmenden recht stark vertreten. Nach der künftigen Wahlentscheidung gefragt, zeichnet sich ein deutlicher Ruck nach rechts ab: 56,7 Prozent würden demnach die FPÖ wählen.

Starke Ablehnung der Corona-Maßnahmen
Wenig überraschend gaben die Befragten fast einhellig an, die von der Bundesregierung verhängten Maßnahmen abzulehnen: Diese seien willkürlich (93,2 Prozent) und überwiegend unwirksam (93,2 Prozent), zudem herrscht die Meinung, dass die Regierung unnötig Angst schüre (99,6 Prozent) und das Coronavirus nicht gefährlicher als eine herkömmliche Grippe sei (78,6 Prozent).

„Natürliche Heilungskräfte ausreichend“
Weit verbreitet sind ferner Verschwörungsnarrative beispielsweise rund um die Regierung, die Corona zur Kontrolle und Überwachung der Bevölkerung ausnutze (89,1 Prozent) sowie esoterisches Denken: 67,9 Prozent der Befragten stimmen etwa der Aussage zu, dass die natürlichen Selbstheilungskräfte ausreichend seien, um das Coronavirus zu bekämpfen. Damit negieren sie auch die hohen Zahlen an notwendigen Spitalsbehandlungen und Todesfälle, die in Zusammenhang mit dem Virus stehen.

Schließlich findet das populistische Klagen über eine Regierung, die der Bevölkerung die Wahrheit verschweige (84,7 Prozent) und das Volk bevormunde (97,3 Prozent) unter den Befragten weite Verbreitung.

Auch expliziter Antisemitismus vertreten
Hinsichtlich rechtsautoritären Denkens streut das Antwortverhalten der Befragten hingegen stärker: Dass zu viel Rücksicht auf Minderheiten genommen werde, denken 26,1 Prozent (bei 35,6 Prozent teilweiser Zustimmung), und 19,4 Prozent der Befragten fühlen sich „wegen der vielen Muslime“ manchmal fremd im eigenen Land (27,6 Prozent stimmen teilweise zu).

Expliziter Antisemitismus wird von 16,2 Prozent der Befragten vertreten und weitere 24,5 Prozent sind immerhin teilweise der Ansicht, dass der Einfluss der Juden auf die Politik auch heute noch zu groß sei.

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