16.02.2011 19:52 |

Operation gelungen

Sechs Monate Pause für verletzten Benni Raich

Keine guten Nachrichten nach dem Ausfall von Benjamin Raich am Mittwoch im Viertelfinale des WM-Teambewerbs: Der Tiroler hat sich einen Riss des linken vorderen Kreuzbandes, einen Knorpelabbruch des äußeren Schienbeinkopfes und einen Teileinriss des äußeren Meniskus zugezogen. Das ergab die Untersuchung bei den Unfallchirurgen Dr. Karl Golser und Univ. Prof. Dr. Gernot Sperner in Innsbruck (im Bild links). Die am Nachmittag vorgenommene Knie-Operation verlief komplikationsfrei, die Ärzte rechnen für den 32-Jährigen jetzt mit sechs Monaten Pause.

Golser und Sperner ersetzten im Sanatorium Kettenbrücke der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck das Kreuzband durch ein körpereigenes Sehnentransplantat, der eingerissene Außenmeniskus wurde arthroskopisch genäht. Eine Knorpelbohrung war nicht erforderlich. "Die Operation war völlig komplikationsfrei und hat 45 Minuten gedauert", erläuterte Golser bei einer Pressekonferenz am frühen Mittwochabend. Der Eingriff an Raich wurde unter Vollnarkose vorgenommen, zum Zeitpunkt der Pressekonferenz befand sich der Sportler noch im Aufwachraum, war aber bereits wach.

"Entsprechende Rehabilitationsdauer"
Raich wird voraussichtlich noch einige Tage im Sanatorium in Innsbruck bleiben müssen, mit der Rehabilitation werde der 32-Jährige laut Golser bereits am Donnerstag beginnen. Der Unfallchirurg prognostizierte eine längere Verletzungspause: "Die Rehabilitationsdauer ist natürlich entsprechend. Raich wird eine Schiene tragen und wegen der Meniskusverletzung vier Wochen auf Krücken gehen müssen", erklärte Golser, der erwartet, dass sein Patient in sechs Monaten wieder voll Ski fahren kann. "Raich hat die besten Voraussetzungen, in den alpinen Skisport zurückzukehren." Im operierten Knie habe es keine Vorschäden gegeben. "Es war ein völlig intaktes Knie. Ein jugendliches Knie ohne Abnützungserscheinungen."

Golser hatte das Missgeschick Raichs im Fernsehen gesehen und sich sofort gedacht, dass im Verletzungsfall das Kreuzband betroffen sein wird. Raich war nach dem Ausfall gleich nach Innsbruck gefahren worden, mit im Auto war auch sein Vater Alois. Die ersten Untersuchungen brachten dann die erschütternde Diagnose. Der Tiroler reagierte nach der Untersuchung sehr ernüchtert: "Ich bin sehr aufgewühlt. Ich komme direkt von der Ski-WM und habe noch zwei große Chancen gehabt. Leider ist es jetzt vorbei. Es ist eine relativ schwere Verletzung. So etwas kann immer und überall, auch beim Training, passieren. Das ist natürlich Pech für alle zusammen. Unser Team wurde in letzter Zeit ganz schön geplagt, aber es muss irgendwie weitergehen. Wenn man den Hans Grugger sieht, dann ist das wieder relativ harmlos. Ich hoffe, dass bei mir alles gut verläuft."

Schild verzichtete aus Sorge um Benni auf weiteren Start 
Marlies Schild, die Freundin des Tirolers, wurde nach ihrem ersten Lauf nicht mehr an den Start gebracht. "Das wäre in dieser Situation nicht gut gewesen, weil sie Sorge um Benni hatte", erklärte Damen-Rennsportleiter Herbert Mandl, der sicher war, dass die Einsätze seiner Athletin am Donnerstag im Riesentorlauf und Samstag im Slalom nicht gefährdet sind: "Sie wird es wegstecken müssen und sich darauf konzentrieren."

Tapfer lächelte Schild bei der Siegerehrung, die Medaille wird allerdings wenig Glanz für sie haben. "Da sieht man wieder, wie nahe Freud' und Leid beisammen liegen", erklärte dazu Techniktrainer Günter Obkircher, der sich ebenso wie Mandl optimistisch gab: "Marlies ist ein Vollprofi. Sie wird das wegstecken können und sich voll auf ihr Rennen fokussieren." Im Riesentorlauf hat die Salzburgerin nur Außenseiterchancen, im Slalom ist sie aber Topfavoritin - sie hat fünf von sieben Saisonrennen gewonnen.

Schild hat bereits ein erstes Telefonat mit Raich nach dessen Operation gefühlt. "Es ist alles gut gegangen, er ist auf dem Weg der Besserung. Es schaut aus, dass alles wieder gut wird", sagte Schild am Mittwochabend im ORF. "Er hat sich ganz gut angehört. Ich weiß, wie das ist nach dem Aufwachen nach einer Operation. Da bist du voll mit Schmerzmitteln und spürst nicht so viel." Benni hat seiner Lebensgefährtin auch gleich einen Auftrag erteilt. "Er hat gesagt, am meisten kann ich ihm helfen, wenn ich gut fahre in den nächsten Rennen. Und das habe ich vor." Sie sei Rennläuferin und wisse, dass immer etwas passieren könne. "Ich werde nicht mit Angst an den Start gehen. Ich fühle, dass ich gut vorbereitet und in guter Form bin. Ich freue mich auf das Rennen."

"Das ist ein weiterer schwerer Schlag für die Mannschaft"
Das Herren-Skiteam ist in diesem Jahr schon empfindlich geschwächt worden, durchwegs zogen sich die Athleten schwere Verletzungen zu. Nach den Speed-Spezialisten Hans Grugger, Mario Scheiber und Georg Streitberger hatte sich zuletzt auch der Techniker Marcel Hirscher verletzt (siehe auch Infobox). Dementsprechend bitter reagierte auch die sportlichen Leitung des ÖSV, Hans Pum und Mathias Berthold, via Aussendung auf den Ausfall von Raich. "Diese Verletzung ist ein weiterer schwerer Schlag. Einerseits für Benni selbst, für den jetzt die zwei Bewerbe mit den besten Medaillenchancen gekommen wären. Andererseits für die Mannschaft, die mit Benni einen absoluten Topathleten verloren hat."

Alle Informationen zum Teambewerb, bei dem Österreich hinter Frankreich die Silbermedaille holte, findest du in der Infobox!

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