11.07.2021 14:27 |

Brief an die „Krone“

„Um das Klima zu retten, müssen wir jetzt handeln“

Im November findet in Glasgow die 26. UN-Klimakonferenz statt. Als Co-Vorsitzende wollen Italien und Großbritannien sicherstellen, dass der Gipfel ambitionierte und verbindliche Maßnahmen festlegt. Die Botschafter Leigh Turner und Sergio Barbanti richten sich in einem Brief an die „Krone“ und sprechen über Klimaziele, die Erderwärmung und den Schutz des Planeten.

Beim Finale der Fußball-Europameisterschaft stehen sich Italien und England als freundschaftlich verbundene Gegner gegenüber. So sehr unsere Länder den Fußball als schönste Nebensache der Welt schätzen, so sehr ist es uns aber auch wichtig, als Teil der Weltgemeinschaft den Blick zu wahren auf die akuteste aller Bedrohungen - den Klimawandel. Die Europameisterschaft hat deutlich gemacht, mit welchen Herausforderungen wir konfrontiert sein werden. In Budapest mussten die Spieler bei 36 Grad im Schatten Trinkpausen einlegen. Spanien wird derzeit von einer Hitzewelle heimgesucht. In Bayern und Österreich gab es verheerende Hagelunwetter.

Die globale Erwärmung ist Realität, und mit ihr steigt die Wahrscheinlichkeit von Unwetterkatastrophen. Bundespräsident Van der Bellen hat es anlässlich des Earth Day so formuliert: „Während die Welt von der Corona-Pandemie in Atem gehalten wird, hat die Klimakrise keine Pause gemacht.“

Was zu tun ist, um diesen Trend zu stoppen, wissen wir. Im Jahr 2015 wurde mit dem Klimaabkommen von Paris das Ziel gesetzt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zu vorindustriellen Werten auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Damit laut Wissenschaft die schlimmsten Effekte des Klimawandels abgewendet werden können, muss dieses Ziel allerdings bei höchstens 1,5 Grad Erwärmung liegen.

Die Welt hat noch nicht genug unternommen
Jedes Zehntelgrad macht einen Unterschied. Ein Temperaturanstieg von zwei Grad – anstatt 1,5 – würde Hunderte Millionen Menschen betreffen. Doppelt so viele Pflanzenarten und dreimal so viele Insektenarten würden große Teile ihres Lebensraums verlieren. Dennoch, seit Kenntnis der Bedeutung des 1,5-Grad-Limits hat die Welt nicht genug unternommen und der Planet heizt sich weiter auf. Die Alpen sind als Ökosystem besonders betroffen. In Österreich lag die Durchschnittstemperatur im Jahr 2020 etwa 2,1 Grad höher als noch hundert Jahre zuvor. 15 der 16 wärmsten Jahre innerhalb der letzten 250 Jahre wurden nach dem Jahr 2000 aufgezeichnet.

Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssen wir den Emissionsausstoß bis 2030 halbieren. Wir befinden uns in einem entscheidenden Jahrzehnt. Der Wiederaufschwung nach der schwersten Phase der Covid-19-Pandemie kann dabei eine Chance für ein Umdenken in der Wirtschaft und die Schaffung einer Zukunft mit grünen Jobs und sauberer Luft sein – einer Zukunft, in der Wachstum und Wohlstand möglich sind, ohne dem Planeten zu schaden.

Jedes Land muss den Planeten schützen
Das ist es, was die COP26-Konferenz in Glasgow so bedeutend macht. Sie muss der Moment sein, in dem jedes Land und jeder Teil der Gesellschaft seine Verantwortung wahrnimmt, den Planeten zu schützen. Gemeinsam müssen wir die Emissionen schrittweise reduzieren, um gegen Mitte des Jahrhunderts Klimaneutralität zu erreichen.

Wir haben bereits Fortschritte gemacht. Beim Treffen der G7-Klima- und Energieminister haben das Vereinigte Königreich und Italien einen Beschluss für einen weitestgehenden Kohleausstieg in den 2030er-Jahren durchgesetzt. Österreich will eine Vorreiterrolle einnehmen und plant, 2040 klimaneutral zu werden sowie die Energieversorgung auf 100 Prozent erneuerbare bis 2030 umzustellen.

Um die Klimaziele zu erreichen, wollen wir junge Menschen einbinden. Italien hat je zwei Jugenddelegierte aus jedem Teilnehmerland für die Pre-COP-Konferenz Ende September in Mailand ausgewählt. Viele der Delegierten planen, mit dem Fahrrad anzureisen, was wir beide als begeisterte Radfahrer begrüßen. COP26 ist unsere letzte Hoffnung, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Unsere Fußballteams mögen für das EM-Finale als Gegner auf dem Platz stehen. Als Länder setzen wir uns Schulter an Schulter für ambitionierten Klimaschutz ein. Jetzt zählen nur Taten.

Leigh Turner und Sergio Barbanti in einem Brief an die Kronen Zeitung

Tipp: Weitere Leserbriefe der „Krone“ finden Sie online unter krone.at/dasfreiewort.

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