8 Kinder mit Tochter
Opfer reden: "Statt Liebe gab es nur Schläge"
Ihr Zwillingsbruder, an dem sich der Stiefvater ebenfalls jahrelang vergangen hat, erzählt, wie es hinter der Fassade des kleinen Hauses in Fluterschen im Westerwald zuging: „Ich war sechs Monate alt, als Detlef meine Mama kennenlernte. Als ich vier war, fing er an, mich zu missbrauchen. Immer wenn meine Mutter nicht da war.“ Als die Zwillinge 17 waren, adoptierte S. sie, „aber nur aus steuerlichen Gründen“, so der Stiefsohn. Zuneigung und Zärtlichkeit habe es nie gegeben, nur Schläge, Tritte und Demütigungen: „Wir waren mit Striemen übersät, hatten Würgemale am Hals.“ Wenn Lehrer fragten, was passiert sei, sagte Detlef S., die Kinder hätten sich die Verletzungen gegenseitig zugefügt.
Seine Mutter, so der Stiefsohn, sei ebenfalls von S. verprügelt worden und hilflos gewesen. Die 52-Jährige hatte die Zwillinge und einen Sohn mit in die Ehe gebracht und mit Detlef S. weitere vier Kinder gehabt. Sie kümmerte sich rührend um ihre Kinder – und um die, die ihr Mann mit der Stieftochter zeugte. Wusste sie, dass ihr Mann Tochter (18) und Stieftochter zur Prostitution zwang?
Stiefsohn vom Jugendamt weggeschickt
Der Stiefsohn erhebt auch schwere Vorwürfe gegen das Jugendamt. Schon als 15-Jähriger sei er zur Behörde gegangen und habe von den Misshandlungen und sexuellen Übergriffen berichtet: „Doch der Amtsleiter, ein Jugendfreund meines Stiefvaters, sagte, dass ich wieder nach Hause müsse. Nichts geschah.“ Das Amt weist alle Vorwürfe zurück: „Es gab immer wieder Gerüchte. Aber Mutter und Kinder weigerten sich auszusagen. Uns waren die Hände gebunden.“
Ab Dienstag steht Detlef S. in Koblenz vor Gericht. Ihm werden 550 Fälle von Missbrauch vorgeworfen. Dafür droht ihm eine lebenslange Haftstrafe. Sein Stiefsohn wünscht sich, dass auch die Verantwortlichen vom Jugendamt bestraft werden.
Kronen Zeitung












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