08.06.2021 10:55 |

Bei Schneckenart

Ältester Nachweis einer Lebendgeburt gefunden

Gemeinsam mit einem internationalen Team ist Adrienne Jochum vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt und dem Naturhistorischen Museum in Bern ein außergewöhnlicher Fund gelungen: Die Forscher fanden in Myanmar eine fossile weibliche Landschnecke, die gemeinsam mit ihren fünf Jungtieren in einem 99 Millionen Jahre alten Bernstein eingeschlossen wurde. Dabei handelt es sich nicht nur um eine bislang unbekannte Art, sondern auch um den ältesten Nachweis einer Lebendgeburt in dieser Tierklasse. 

Landschnecken sind meist durch versteinerte Schneckenhäuser oder Abdrücke fossil überliefert, die Erhaltung ihrer Weichkörper dagegen ist eine Rarität. „Unser neuer Bernstein-Fund ist auch aus diesem Grund wirklich bemerkenswert“, erklärt Jochum und fährt fort: „In einem kreidezeitlichen Bernstein aus Myanmar haben wir den Körper und die Schale einer außergewöhnlich gut erhaltenen weiblichen Landschnecke kurz nach der Geburt ihres - ebenfalls im Bernstein überlieferten - Nachwuchses gefunden.“

Tiere von Baumharz eingeschlossen
Gemeinsam mit Kollegen aus China und Deutschland hat Jochum den Bernstein mittels hochauflösender Fotografie und Mikro-Computertomographieaufnahmen untersucht und konnte so das etwa elf Millimeter hohe Schneckenhaus und den „Marshmallow-artigen“ Körper des Muttertiers sowie die fünf Jungtiere sichtbar machen. „Die Schnecken wurden anscheinend direkt nach der Geburt von dem Baumharz eingeschlossen und in dieser Position über die Jahrmillionen konserviert. Die Mutterschnecke hat ihr bevorstehendes Schicksal wohl bemerkt und streckt ihre Tentakel in ‘Alarmstufe rot‘ in die Höhe.“

Lebendgebärende Schnecken in Kreidezeit
Lebendgeburten sind bei Landschnecken zwar bekannt, gelten jedoch als Ausnahme. Die Forschenden gehen davon aus, dass die neu als Cretatortulosa gignens beschriebene Art ihre Jungen lebend zur Welt brachte, um ihren Nachwuchs möglichst lange vor Fressfeinden in den tropischen Wäldern der Kreidezeit zu schützen. „Aufgrund des Fundes (...) wissen (wir) nun auch, dass es lebendgebärende Schnecken in der Kreidezeit gab“, freut sich die Forscherin. Die Studie wurde im Fachjournal „Gondwana Research“ veröffentlicht.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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