03.06.2021 18:29 |

Viel Kritik von Promis

Erstes Kreuzfahrtschiff in Venedig nach 17 Monaten

Erstmals nach 17 Monaten erblickt Venedig wieder ein Kreuzfahrtschiff. Die MSC Orchestra ist am Donnerstag in der Lagunenstadt eingetroffen. Am Samstag startet sie mit rund 700 Passagieren an Bord in Richtung Griechenland. Dabei sollen die Anti-Covid-Sicherheitsvorkehrungen streng berücksichtigt werden. Sämtliche Besatzungsmitglieder und Gäste mussten einen Corona-Test machen, bevor sie auf das Schiff durften, zudem ist an Bord das Maskentragen Pflicht. Unterdessen haben in einem offenen Brief an Italiens Regierung unter anderem Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger und andere Promis den Kreuzfahrtverkehr in Venedig kritisiert. Die großen Schiffe gelten nicht nur als umweltschädlich, auch die Lagune leidet darunter. 

Statt 500 Kreuzfahrtschiffen wie im Sommer 2019 werden maximal 70 Luxusliner in den nächsten Monaten in der Lagune eintreffen, etwa drei pro Wochenende. Viele Kreuzfahrtgesellschaften würden sich nicht trauen, in teure Sicherheitsprotokolle an Bord zu investieren, um die Kreuzfahrten wieder aufzunehmen, da vor allem US-Touristen noch nicht nach Italien zurückgekehrt seien, hieß es in Venedig.

Kreuzfahrten wegen Corona untersagt
Die italienische Regierung hatte wegen der Corona-Infektionszahlen am 20. Dezember sämtliche Kreuzfahrten untersagt, seither lief kein Schiff mehr aus. Die Kreuzfahrtindustrie ist von der Pandemie hart getroffen. Zwischen Mitte März und September vergangenen Jahres machte sie laut dem internationalen Branchenverband Clia Verluste von rund 77 Milliarden Dollar (63,19 Mrd. Euro), 518.000 Jobs wurden abgebaut.

„Fehlen von Respekt gegenüber Weltkulturerbe“
Die gemeinnützige Organisation Venetian Heritage hatte anlässlich der Rückkehr der Luxusschiffe einen Brief aufgesetzt. „Stop für den Verkehr großer Schiffe in der Lagune“, hieß es in dem Schreiben, das auf den 1. Juni datiert ist. Die Initiatoren klagten über das „absolute Fehlen von Respekt gegenüber einem der wichtigsten Weltkulturerbe“. Es brauche ein Gesetz, damit die kulturelle Identität der Stadt gewahrt bleibe.

Neben Rocker Jagger unterstützten auch Schauspielerin Tilda Swinton und Regisseur James Ivory die zehn Punkte des Papiers. Die Promis kritisierten unter anderem auch das Ungleichgewicht in der Stadt zwischen Bewohnern und Touristen. Sie forderten, die Regeln für das Vermieten von Wohnungen an Urlauber zu verschärfen und die Massen an Touristen besser zu organisieren.

Neuer Ankerplatz für Ozeanriesen
Vor der Corona-Pandemie hatte Venedig jährlich Millionen von Touristen beherbergt. Die Stadt war Ziel vieler Kreuzfahrtschiffe, über die seit Jahren gestritten wird. Die Regierung in Rom hatte Ende März grünes Licht für Pläne gegeben, um besonders die großen Schiffe aus der Altstadt zu verbannen. Sie sollen in einem Hafen außerhalb der Lagune anlegen. Dazu werden Ideen gesucht.

Michaela Braune
Michaela Braune
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