07.05.2021 13:17 |

Enormer Kampfgeist

Tiroler meistert die große Krise mit Mini-Torten

Die Corona-Pandemie wird wohl vielen Tiroler Betrieben die Existenz kosten. Auch der Innsbrucker Konditor Thomas Reimair stand vor einem Jahr plötzlich ohne Aufträge da. Doch er kämpft. Sein Geschäftsmodell: Bescheidenheit.

Kleine Brötchen backen – das müssen mittlerweile viele Unternehmer. Im Fall von Thomas Reimair (40) sind es Törtchen. Der gelernte Konditor befand sich beim Ausbruch der Corona-Pandemie gerade in einem Höhenflug. „Wir haben jedes Wochenende ein bis zwei Hochzeiten und andere Feste beliefert. Die Nachfrage war riesig“, berichtet der 40-Jährige, der mit seiner Frau Simone mit köstlichen Kreationen aus Biskuit und herrlichen Cremen eine Marktlücke füllte.

Zwei Leute trägt der Betrieb nicht mehr
Derzeit füllt Simone als Zahnarztassistentin andere Dinge. Zwei Leute trägt der Betrieb nicht mehr. Der Chef ist einziger Mitarbeiter in dem kleinen Laden am Ende der Leopoldstraße in Innsbruck. Hier pendelt Thomas Reimair zwischen Backstube und Verkaufsraum. Viel Laufkundschaft ist hier neben der Grassmayr-Kreuzung nicht zu erwarten. „Wir waren ja auch ganz auf Veranstaltungen ausgerichtet“, blickt der Chef zurück. Zusperren war dennoch keine Option. Ausfallshaftungen waren keine zu erwarten. „Wir gehören in die Kategorie Lebensmittelversorgung und durften immer offen halten“, beschreibt Reimair das Dilemma. Einmal gab’s 500 Euro vom Staat - das war’s.

Kulante Vermieterin, hilfsbereite Mama
Der 40-Jährige nahm die Herausforderung an. Es ist nicht die erste in seinem Leben. Wohl auch deshalb wirtschaftete der Kleinunternehmer immer vorsichtig. „Ich hab Glück, dass ich keine Schulden zurückzahlen muss, dass meine Vermieterin sehr entgegenkommend ist und meine Familie mithilft“, meint Reimair mit einem Lächeln und erzählt dann von seiner Mama, die regelmäßig mit dem Bus anreist, um ihrem Sohn unter die Arme zu greifen.

In den ersten Wochen der Pandemie gab es aber kaum etwas zu tun. Doch so nach und nach registrierte die Stadt, dass in der Leopoldstraße eine kleine Back-Oase den Lockdown-Alltag versüßen kann. „Ich beliefere auch Caféhäuser und die Hörtnagl-Filiale am Claudiaplatz“, nennt Reimair ein weiteres Standbein. Für große Werbeaktionen fehlt das Geld, für Social-Media-Kampagnen die Zeit. Die gute alte Mundpropaganda war es schließlich, die dem begabten Torten-Bäcker Schritt für Schritt wieder Kunden brachte. „Das Gassengeschäft hat um 20 bis 30 Prozent zugenommen“, wundert sich der Unternehmer angesichts des abgelegenen Standortes selbst.

Nur mehr zehn statt 60 Törtchen für einen Auftrag
Trotzdem: Das Auftragsvolumen ist derzeit so klein wie die Produkte. Der Chef spricht von „maximal zehn bis 15 Törtchen pro Bestellung - statt 50 bis 60 wie früher“. Vorbei sind vorerst die Zeiten, als Reimair für eine Vermählungsfeier 370 Hochzeitstörtchen liefern sollte.

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Mein Backofen darf mir aber nicht eingehen.

Thomas Reimair

Heute ist er froh, „dass zumindest wieder kleine Familienfeste begangen werden“. Denn bei aller Bescheidenheit: Auch ein langer Atem hält nicht ewig. „Ich bin bisher weitgehend kostendeckend durchgekommen“, sagt Reimair. Dann legt er nach: „Mein Backofen darf mir aber nicht eingehen.“

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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