Schließungsschritte

MAN zieht in Steyr schon die Bremse

Nach dem Nein der Belegschaft des Werks in Steyr zur Übernahme durch Sigi Wolf zieht MAN die Bremse und setzt erste Schließungsschritte. Kleine Produktionen laufen aus, die Lkw-Stückzahlen werden reduziert. Die unsichere Situation des MAN-Standorts in Steyr hat am Mittwoch auch zu einer teils emotionalen Debatte im Nationalrat geführt.

Letzte Woche war erstmals von der Drosselung der Produktion die Rede, am Mittwoch wurden die Mitarbeiter im MAN-Werk in Steyr informiert. Nach der Urabstimmung, bei der sich die Belegschaft gegen eine Übernahme durch den Manager Sigi Wolf ausgesprochen hatte, setzt MAN erste Schritte in Richtung Werksschließung per Ende 2022.

Kleinere Produktionsbereiche laufen schon im Mai aus, 125 der derzeit 278 Zeitarbeiter müssen bis Mitte Mai gehen, parallel dazu sollen ab dann in Steyr nur noch 70 statt wie derzeit 84 Lkw pro Tag hergestellt werden. Zudem wurden Budgets eingefroren und ersten Mitarbeitern Angebote gemacht, die Verlagerung der Produktion nach Polen zu begleiten.

Emotionale MAN-Debatte im Nationalrat
Mit Blick auf die Situation bei MAN warf SPÖ-Mandatar Alois Stöger bei der Behandlung eines „Dringlichen Antrags“ der Regierung vor, keinen Finger zu rühren und warb für eine Beteiligung der ÖBAG. Stöger ärgerte sich darüber, dass VW vertragsbrüchig geworden sei und die Regierung trotzdem nichts tue. Der Kanzler wende sich nicht einmal an die deutsche Regierungschefin Angela Merkel. Seine Forderung an Kurz: „Tun sie, was nötig ist, um den Produktionsstandort zu sichern.“

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner bezeichnete den Fall MAN als Chance bei der Transformation der Wirtschaft in Richtung Ökologisierung. So wie Deutschland sollte Österreich einen aktiven Beteiligungsfonds schaffen, meinte sie. Gerhard Deimek (FPÖ) kritisierte eine jahrzehntelange Stimmungsmache gegen die Autoindustrie in Österreich, die sich aus seiner Sicht nun rächt. Sepp Schellhorn (NEOS) vermisste bei der ÖVP Reformen, was Wirtschaft und Standortpolitik betrifft.

Lage laut Kanzler Kurz „verzwickt“
In seiner Replik lehnte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) eine Verstaatlichung ab. Schon in der Vergangenheit hätten Verstaatlichungsphantasien mehr Probleme geschaffen als gelöst und tausende Arbeitsplätze gekostet. Die Lage nannte der Kanzler „verzwickt“, die Lösung sei keine leichte. Die Regierung wolle aber alles tun, um beizutragen die Arbeitsplätze zu schützen.

Man sei bereit, Pakete zu schnüren und den Standort attraktiver zu halten. „Leider Gottes“ gebe es keine Gewissheit dafür, dass rechtliche Schritte die Arbeitsplätze retten würden. Das oberste Ziel sei ja auch, möglichst viele davon zu retten und kein Rechtsstreit. Bedauerlich ist für Kurz, dass die Zahl der Interessenten überschaubar sei. Wichtig sei, dass jetzt alle ihre Konzepte vorlegen könnten. Er hoffe, dass alle Beteiligung im Dialog blieben. Dies sei der einzige Weg, um die Beschäftigung zu sichern.

Barbara Kneidinger
Barbara Kneidinger
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Sonntag, 16. Mai 2021
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