Wirtesprecher uneinig

Wogen gehen nach Gastgarten-Aus im Innviertel hoch

Für reichlich Zündstoff sorgten die „Krone“-Berichte über eine Innviertler Wirtin, die mit einem „Corona-konformen“ Konzept ihren Gastgarten öffnete. Nach nur fünf Tagen machte ihr das Gesundheitsministerium einen Strich durch die Rechnung. Uneinigkeit darüber herrscht nun unter den Wirtesprechern in OÖ.

15 Tische auf einer Asphaltstockbahn, die mehr als 50 Meter vom Gasthaus zur Tausendjährigen Linde in St. Marienkirchen bei Schärding entfernt liegt, Selbstbedienung und zwei Meter Abstand zwischen den Sitzgelegenheiten – so das Konzept von Wirtin Bianka Möhling. Und es wurde erlaubt, von Bezirkshauptmannschaft und Polizei. Wie berichtet, machte das Gesundheitsministerium der Gastronomin am Mittwoch jedoch einen Strich durch die Rechnung.

„Das Konzept ist nicht möglich, wenn die Tische und Bänke zur Gaststätte zuordenbar sind. Würden diese von der öffentlichen Hand aufgestellt werden, wäre es etwas anderes“, erklärte Rudolf Greiner, Bezirkshauptmann von Schärding im „Krone“-Gespräch. Diese Entscheidung lässt jetzt die Wogen hochgehen. Die Wirtin selbst akzeptiert die Regeln, auch wenn sie enttäuscht darüber ist: „Das Gefühl, das ich an diesem Wochenende hatte, kann mir aber keiner mehr nehmen“, sagt sie.

Wirtesprecher sind sich nicht ganz einig
Der Schärdinger Wirtesprecher Stefan Schneebauer setzt sich für „seine“ Wirtin und ihre kreative Idee ein: „Ich stehe solidarisch hinter meinen Wirten und kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. Wenn die Gemeinde Tische aufstellen sollte, wäre das okay. Das kann das Virus also unterscheiden?“

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Wenn man sich vorher erkundigt, sehe ich es nicht ein, dass es jetzt heißt, dass das doch nicht erlaubt ist. Ich stehe solidarisch hinter meinen Wirten und kann diese Entscheidung absolut nicht nachvollziehen.

Stefan Schneebauer, Wirtesprecher Bezirk Schärding, ärgert sich über die Entscheidung.

„Lockdown für Gastro bringt nichts mehr“
Anderer Meinung ist Thomas Mayr-Stockinger, er ist Wirtesprecher für ganz Oberösterreich: „Ich lehne es klar ab, solche Versuche zu wagen. Aber ich bin ganz klar der Meinung, dass dieser Lockdown für die Gastronomie nichts mehr bringt. Es müssen Öffnungsschritte gesetzt werden.“ Er zieht Zahlen aus Vorarlberg heran: „Dort sieht man, dass es keine Corona-Fälle durch die Öffnung der Gastro gibt.“ Für viel gefährlicher hält er illegale Treffen im privaten Bereich: „Man sieht die Gefahr ja bei den Großbestellungen, die viele Wirte bekommen. Da wird das Essen abgeholt und dann daheim in der Garage in großen Gruppen gegessen. Da wäre es doch viel sinnvoller, Gasthäuser zu öffnen und diese Treffen unter Sicherheitsmaßnahmen zu ermöglichen.“ Seine Skepsis im Fall der Innviertler Wirtin erklärt Mayr-Stockinger so: „Die Gastronomen kämpfen schon mit genug Problemen, ich halte es nicht für sinnvoll, mit solchen Schlupflöchern möglicherweise einen Rechtsstreit anzuzetteln, der vielleicht viel Geld kostet.“

Strafen drohen Bianka Möhling laut Krisenstab des Landes keine, weil sie, nachdem die Behörde die Erlaubnis revidiert hatte, den Gastgartenbetrieb sofort freiwillig eingestellt hat.

Lisa Stockhammer
Lisa Stockhammer
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Sonntag, 16. Mai 2021
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