16.04.2021 08:00 |

Rudi Quehenberger

„Denke nicht darüber nach, 80 zu werden“

Ohne ihn wäre Salzburgs Fußball nicht da, wo er ist: Anlässlich seines 80. Geburtstages morgen, Samstag, plauderte der legendäre Ex-Austria-Präsident Rudi Quehenberger in Lehen über glorreiche Zeiten, Otto Baric, Corona, Red Bull und Sardinien.

Herr Quehenberger, Samstag werden Sie 80 Jahre alt. Kann man sagen: unglaublich, wie die Zeit vergeht?

Ja, aber ich denke nicht darüber nach, 80 zu werden.

Warum?

Weil man in eine etwas tiefere Depression verfallen würde. 80 ist ein Alter, wo das Lebensende mit riesen Schritten naht. Wobei ich nicht daran denke. Aber man muss Realist sein.

Wir treffen uns in der Stadtbibliothek „Tribühne Lehen“. Dort, wo das Lehener Stadion stand. Ein großer Teil des Rasens ist noch erhalten. Mit welchen Gefühlen sind Sie zurückgekommen?

Natürlich kommt Wehmut auf. Da es ein bisschen regnet, denke ich an das Spiel gegen Sporting Portugal am 7. Dezember 1993.

Also an die legendäre Aufholjagd im UEFA-Cup gegen Sporting Lissabon, als Adi Hütter Salzburg in die Verlängerung, Martin Amerhauser dort zum Aufstieg schoss.

Ja, aber der Verein hieß offiziell Sporting Portugal. Nach dem 2:0 bin ich aus dem VIP-Klub gesprungen. Ich erinnere mich noch genau an die Worte von Trainer Otto Baric nach der 0:2-Niederlage in Lissabon.

Was hat er gesagt?

Wissen Sie, wir haben im Rückspiel eine ganz große Chance. Das kalte Wetter Anfang Dezember, den Regen, das mögen diese Fußballer nicht. Das sind nur Schönwetterfußballer. Genauso hat er das gesagt. Er war grenzenloser Optimist.

Sein Tod im Vorjahr hat Sie sehr getroffen.

Ja, er war 87, da hätte ich noch sieben Jahre. Aber ich hoffe schon, dass ich älter werde. Ich fühle mich gesund, habe keine Probleme.

Und sind Sie auch schon gegen Corona geimpft?

Ich habe beide Teilimpfungen, hatte null Probleme.

Wird Corona dem Fußball nachhaltig schaden?

Ich glaube ja. Das Salz in der Suppe fehlt, das ist der Zuschauer. Ohne Zuschauer ist es nicht interessant, ganz egal, ob vorm Fernseher oder im Stadion. Es ist leblos, leidenschaftslos.

Ohne Sie wäre der Fußball in Salzburg nicht da, wo er ist. Sie haben 1984 die Austria als erfolgreicher Speditions-Unternehmer mit elf Millionen Schilling Schulden übernommen. Auch ein Risiko?

Man musste riskieren, aber im Rahmen des Gesetzlichen, natürlich. Ich habe mit Privat- und Firmenvermögen für den Verein gehaftet. Aber ich hatte keine Sorgen und Angst.

Worauf sind sie stolz?

Dass wir in meiner Ägide erstmals österreichischer Meister wurden, war ein Meilenstein. Wenn ich mich erinnere, wie viele Menschen da auf der Straße waren. Ganz Salzburg und viele Österreicher haben sich mit uns gefreut. Auch das Europacup-Finale gegen Mailand war ein Meilenstein. Das sind Momente, an die ich mich sehr gerne erinnere.

Ebenso wie an viele tolle Menschen. Etwa an Klubsekretär Rudi Mirtl, der Sie zum Interview begleitet hat.

Ja, wir waren ein kleines Team, nur fünf, sechs Leute, gell Rudi (lacht). Aber es ist gegangen. Natürlich erinnere mich an unsere Fußballer. Jene, die wir geholt haben und unsere eigenen. Da insbesondere an Christian Fürstaller. Der war als einziger Nicht-Profi in einem Europacup-Finale und Nationalspieler. Er hat immer neben dem Fußball in meiner Firma gearbeitet. Und wie er heute das Unternehmen Quehenberger führt, ist einzigartig, er ist eine Ausnahmeerscheinung.

Wie sehen Sie als einstiger Unternehmer die wirtschaftliche Lage in Corona-Zeiten?

Das Unternehmen Quehenberger ist relativ gut durchgekommen, wir sind digital gut aufgestellt. Aber generell ist es ein Wahnsinn. Alle Staatshilfen werden nicht wegfallen können. Sonst geht viel kaputt. Speziell Hotellerie, kleinere Betriebe. Ich glaube nicht, dass man die fallen lassen kann.

Ihr Herz schlägt als Red-Bull-Ehrenpräsident aber weiter für den Fußball.

Ich freue mich, Ehrenpräsident zu sein. Es ist unsere Austria, die Red Bull übernommen hat. Ich wünsche mir, dass sie mal im Champions League-Finale stehen.

Für Sie realistisch?

Ja, nachdem sie diese unsagbar gute Hand bei Spielern haben, auch wenn sie viele verlieren und verkaufen. Immer findet Christoph Freund mit seinem Team Fußballer, die noch eine Steigerung bringen.

Gibt’s noch Kontakt zu Dietrich Mateschitz?

Wenig, aber mit dem Management schon.

Sie hat gestört, dass Red Bull die drei Titel in der Austria-Zeit nicht mitrechnet.

Mein Gott, damit muss man leben. Für mich waren es Meistertitel, die wir gemacht haben. Es ist Sache des Managements und von Red Bull als Unternehmen. Ich glaube, dass die Fans gespürt haben, dass diese drei Titel genauso zum Nachfolgeverein Red Bull gehören.

Gibt’s noch einen speziellen Wunsch zum 80er?

Dass ich ein paar Jahre gesund eine Gaudi habe, in der Familie alles passt. Dass man wieder mal ein Glaserl Wein wo trinken kann. Man geht ja nirgends mehr hin. Ich habe ein schönes zu Hause in Oberalm, ich bin nicht allein, meine Frau ist bei mir. Und ich hoffe, dass ich reisen kann. Nach Sardinien. Dort werden die Leute europaweit ja am ältesten.

Herbert Struber
Herbert Struber
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