09.04.2021 05:51 |

Nun wieder Bürger dran

Serbien stoppt Impfung von Ausländern vorerst

Tausende aus den Ländern der Umgebung - auch aus Österreich - haben sich in Serbien eine Impfung gegen das Coronavirus spritzen lassen - nun ist damit Schluss: Die Verabreichung von Vakzinen an ausländische Bürger ist nach den Worten von Ministerpräsidentin Ana Brnabic gestoppt worden. Das Hauptaugenmerk gelte nun der heimischen Bevölkerung, sagte sie am Donnerstag.

Am letzten Wochenende im März konnten sich in Serbien, wo es nicht an Impfstoff fehlt und das als Impfmusterknabe gilt, auch ausländische Bürger impfen lassen. Es hieß zuerst, dass es sich um eine Aktion der Wirtschaftskammer Serbiens handle, um Wirtschaftsleuten aus der Region zu helfen. In der Tat wurde an jenem Wochenende aber jeder ausländische Bürger geimpft, der sich zuvor über ein regierungseigenes E-Portal angemeldet hatte - insgesamt 22.000 Personen.

Was zuerst nur ein Gerücht war, wurde später von Ministerpräsidentin Brnabic auch bestätigt. Bei 20.000 bis 25.000 Dosen AstraZeneca-Impfstoff drohte das Haltbarkeitsdatum abzulaufen. Man entschloss sich daher, auch ausländische Bürger zu impfen. „Dies war keine Politik, nur ein Ausdruck der Solidarität“, so Brnabic. Tausende aus den Nachbarländern reisten daraufhin nach Serbien, um sich eine Imfpung abzuholen und sich schneller als in ihrer Heimat gegen das Coronavirus immunisieren zu lassen - auch aus Österreich. Der Salzburger Kranhersteller Palfinger etwa ließ 40 Arbeitskräfte in Serbien impfen. „Wir verlieren sonst Aufträge“, so Chef Andreas Klauser.

Kritiker vermuten dennoch, dass hinter der Impfaktion auch Politik steckte, ebenso hinter den Impfstoffspenden, die nach Nordmazedonien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina geliefert wurden. Nachdem Bosnien die ersten 10.000 Impfstoffdosen von AstraZeneca im März aus Serbien erhalten hatte, hat die Belgrader Regierung am Donnerstag beschlossen, weitere 10.000 Impfstoffdosen nach Bosnien zu schicken.

Impfbereitschaft im eigenen Land hat nachgelassen
Diese Woche hat Serbien eine neue Impfkampagne gestartet, in der aber wieder die inländische Bevölkerung im Fokus stehen soll. Nach dem anfänglichen großen Interesse der Bürger für die Impfung ging dieses in den vergangenen Wochen sichtbar zurück. „Lass auch du dich impfen! Um ins Leben zurückzukehren“, ist auf den Werbeplakaten mit dem Bild von Gorica Popovic, einer der beliebtesten Schauspielerinnen, zu lesen. Viele scheinen dennoch zu zögern.

1,2 Millionen Serben haben bereits zweite Dosis erhalten
Ministerpräsidentin Brnabic ist dennoch zuversichtlich: Bis Ende April sollen landesweit 40 Prozent der Erwachsenen wenigstens eine Impfdosis erhalten haben. Laut Amtsangaben wurden bis Mitte der Woche immerhin bereits 1,5 Millionen Menschen geimpft, knapp 1,2 Millionen haben auch schon die zweite Impfdosis erhalten. 26 Prozent der Erwachsenen wurden geimpft, 20 Prozent mit beiden Impfdosen. In der Bevölkerungsgruppe über 65 Jahre liegt der Anteil der Geimpften noch wesentlich höher.

Die meisten Bürger Serbiens, wo man derzeit den Impfstoff frei wählen darf, erhielten das chinesische Sinopharm-Vakzin, von dem Serbien bisher 2,5 Millionen Dosen erhalten hat. Eine weitere Million Impfdosen entfallen auf die Produkte von Biontech/Pfizer und AstraZeneca sowie den russischen „Sputnik V“-Impfstoff. Ab 20. Mai soll im Torlak-Institut für Virologie in Belgrad mit der Abfüllung von „Sputnik V“ begonnen werden. Im Herbst soll in Serbien auch die Sinopharm-Produktion starten.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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