29.03.2021 13:18 |

Teams „verwirrt“

Bahrain: „Überhol-Strafe“ sorgt für Ärger

Der Titelkampf in der Formel-1-WM dürfte nach Jahren der Mercedes-Dominanz endlich zu einem echten Duell werden. Zwar gewann Serien-Champion Lewis Hamilton den Saisonauftakt am Sonntagabend in Bahrain, musste sich dabei jedoch bis zum Schluss gegen Red-Bull-Ass Max Verstappen wehren. Für Ärger sorgte eine Strafe für den Niederländer, der ansonsten wohl gewonnen hätte ...

„Wir lieben die Herausforderung, ich liebe diese Herausforderung“, frohlockte Hamilton nach dem Rennen. „Es liegt aber noch ein langer Weg vor uns, 22 (Rennen) ... Am Ende werde ich wohl grau(haarig) sein“, weiß der 36-jährige Brite, dass der Weg zum alleinigen Rekordtitel besonders steinig wird.

„Der Weltmeister Lewis Hamilton kann nur mit einem Trick siegen. Das Formel-1-Rennen in Bahrain zeigt, dass ein Machtwechsel ansteht - hin zu Red Bull“, schrieb etwa die „Neue Zürcher Zeitung“ am Montag auch mit Verweis auf die letztlich rennentscheidende Szene in Kurve 4.

Denn drei Runden vor Schluss hatte Verstappen zwar Hamilton schon überholt, war aber dabei an dieser Stelle des Bahrain International Circuit von der Strecke abgekommen. Der Niederländer musste deshalb den Mercedes-Superstar direkt danach wieder die Führung überlassen und sich mit Platz zwei begnügen. Allerdings wurde ein solcher Ausritt erst mit zunehmender Dauer des Rennens sanktioniert, was nicht nur bei den Fans für Unverständnis sorgte.

Er sei „genauso verwirrt“ wie die Zuschauer, versicherte etwa Mercedes-Teamchef Toto Wolff. „Plötzlich haben wir während des Rennens gehört, dass es als Vorteil angesehen werden könnte, wenn man die Kurve so weit nimmt, und möglicherweise eine Strafe verursacht“, erklärte der Wiener. Mercedes instruierte daher seine beiden Piloten entsprechend. Die Ansagen müssten aber „klar und heilig sein, und kein Shakespeare-Roman mit Interpretationsmöglichkeiten“, so Wolff. „Wir müssen konsequent sein bei den Ansagen, die gemacht werden.“

Auch Red Bulls Motorsport-Berater Helmut Marko ärgerte sich über diese unklare Linie. „Die Kurve 4 war ein eigenes Kapitel. Ich weiß nicht, wie oft der Hamilton dort drübergefahren ist und dann rutscht der Max einmal raus... Da hat er sich die Reifen derart verschmutzt, dass er erst in der allerletzten Runde attackieren konnte“, sagte der 77-jährige Steirer.

Mit Ausnahme dieses Eingriffs von außen bot das Duell zwischen Hamilton und Verstappen in der windigen Wüste von Sakhir jedoch die erhoffte PS-Unterhaltung allererster Güte. „Ein epischer Auftakt“, titelte die Rennserie selbst. „Der größte Gewinner sind die Fans“, betonte Red-Bull-Teamchef Christian Horner, der auf ein Ende der seit 2014 währenden Mercedes-Dominanz hofft. „In Summe waren wir dran. Um Mercedes zu schlagen, muss man aber perfekt sein“, lautete das Resümee von Marko.

Verstappen hatte im verbesserten RB16B und mit Honda-Power bis zum Rennsonntag klar den Ton in Bahrain angegeben. Der 23-Jährige war in allen drei Trainings Bestzeit gefahren, mit rund vier Zehntelsekunden Vorsprung auf Hamilton am Samstag auch der Schnellste im Qualifying gewesen und hätte trotz der taktischen Finesse von Mercedes den ersten WM-Lauf des Jahres fast noch gewonnen. „Ein großartiges Rennen, hart zu verlieren, aber das war erst das erste von 23“, schickte Horner gleich die nächste Kampfansage Richtung Sternenflotte.

„Da ist doch super, oder? Es gibt doch keinen besseren Sieg als einen, der hart erkämpft ist. Und keine bessere Meisterschaft, die bis ans Ende geht und wo es einfach einen echten Schlagabtausch gibt. Das wird diese Saison werden, zumindest hoffe ich das“, sagte indes Wolff, der aber auch weiß, dass es Mercedes im Qualifying noch an „Pace fehlt, und das müssen wir irgendwie in den Griff kriegen. Wenn mir am Samstag jemand gesagt hätte, dass es so ausgeht, hätte ich das wahrscheinlich nicht geglaubt, aber wir haben uns von den Tests erholt“, war der 49-Jährige sichtlich erleichtert. Die Strategie war perfekt - oder wie Wolff es sagte: „Der Renn-Gott war auf unserer Seite.“

Quelle: APA

Ingemar Pardatscher
Ingemar Pardatscher
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