26.02.2021 06:00 |

Forschungsinstitut

Grazer Stern im Weltall leuchtet seit 50 Jahren

Vor 50 Jahren wurde das Institut für Weltraumforschung gegründet. Seitdem war das internationale und weltweit angesehene Team des IWF an mehr als 30 Missionen beteiligt. Aber wie wurde die steirische Landeshauptstadt eigentlich zu einem großen Stern des Weltalls?

Wer schon einmal durch ein Teleskop zu den Sternen geblickt hat, der weiß: Alles ist relativ. Und auch wenn Graz nicht Cape Canaveral ist, ist die kleine Stadt vom Weltall aus gesehen ein ganz schön großer Stern.

Richtig Fahrt nahm die Entwicklung von Graz zur Weltraumstadt im Jahr der ersten Mondlandung auf: 1969 kam mit Willibald Riedler ein neuer Mann an das neu gegründete Institut für Nachrichtentechnik und Wellenausbreitung der Technischen Hochschule. „Er war ein junger, dynamischer Forscher, der viele in Graz bereits vorhandene Kräfte gebündelt hat“, weiß Wolfgang Baumjohann, seit 2004 Leiter des Instituts für Weltraumforschung in Graz und in dieser Funktion Nachfolger von Riedler.

Im Jahr 1971 wurde dieses Institut von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gegründet, das einige Jahre neben Graz auch in Innsbruck und Wien beheimatet war, ehe man die Kräfte hier konzentrierte. Mit der Erforschung von planetaren Atmosphären und der so genannten Weltraumplasmaphysik entstanden zwei Spezialgebiete, dank der man ins Spitzenfeld der Weltraumforschung schoss.

Atmosphäre von Planeten erforscht

„Unsere Arbeit hat seit den 1980ern wesentlich zur Erforschung der Atmosphären von Planeten und der Weltraumplasmen innerhalb und außerhalb unseres Sonnensystems beigetragen“, so Baumjohann. Es sind vor allem die hier entwickelten und gefertigten Messgeräte, die die Grazer zu regelmäßigen Partnern in wichtigen internationalen Missionen gemacht haben. „Wir haben etwa geholfen herauszufinden, wie ein Kometenschweif entsteht, oder auch jenes Gerät entwickelt, mit dem zum ersten Mal die Windgeräusche auf dem Saturnmond Titan gemessen werden konnten.“

Auch am Joanneum Research, an der TU und der Montanuni in Leoben wurden mittlerweile Projekte im Weltraum umgesetzt.

Internationales Team im Süden von Graz

Aber ist dieses Wissen von den Rändern der Galaxie das viele Geld wert, das dafür ausgegeben wird? „Bei Forschungen im Weltall betritt man Neuland und es ist nie abzusehen, wie die technischen Innovationen, die es dafür braucht, eines Tages genutzt werden können“, erklärt er. Satellitenfernsehen, Mobiltelefonie, GPS oder verlässliche Wettervorhersagen wären heute nicht möglich, wäre die nötige Technologie einst nicht für die wissenschaftliche Raumfahrt entwickelt worden.

Aktuell arbeiten rund 100 Menschen aus 20 Nationen am IWF im Süden von Graz, das auch eine der weltweit besten Satelliten-Laserstationen am Lustbühel betreibt: „Wir arbeiten neben der Europäischen Weltraumagentur und der NASA auch mit Japan, China und Russland. Internationale Teams sind für uns nicht nur Normalität, sondern Grundvoraussetzung für Erfolg.“

Und auch die Geduld ist ein wichtiger Teil der Arbeit: „Es dauert rund zehn Jahre, ein Gerät für eine Mission zu entwickeln. Wenn die Mission dann etwa zum Jupiter führt, dauert es zehn weitere Jahre, bis das Gerät vor Ort ist. Und dann sind wir noch einmal bis zu zehn Jahre mit den Auswertungen beschäftigt“, erklärt er. Das bedeutet auch, dass man vorerst bis 2030 voll mit Projekten ausgebucht ist.

Doch Baumjohann, der heuer in Pension geht, blickt weit darüber hinaus: „Ich werde meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger viele spannende Aufgaben hinterlassen.“

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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