11.02.2021 08:03 |

Sponsorverträge

Politik und Glücksspielals „heißes Pflaster“

Wie ein „Großes Glücksspiel“ war die Commerzialbank für Millionen-Jongleur Martin Pucher. Alles verloren! Um das Kleine Glücksspiel und seine Legalisierung im Burgenland ging es in der 17. Sitzung des U-Ausschusses. Die Befragung der Zeugen zielte auf dubiose Verstrickungen zwischen Politik und Novomatic ab.

Als Erster am Wort war Franz Wohlfahrt, bis 2014 Vorstandsvorsitzender der Novomatic AG. Ermittlungen gegen ihn in einem früheren Fall rund um das BZÖ und Scheinrechnungen waren eingestellt worden. Jetzt ging es um die Legalisierung des Kleinen Glücksspiels im Burgenland. „Es ist sinnvoll, kontrolliert Lizenzen zu vergeben, damit das Glücksspiel nicht völlig in die Illegalität abgleitet“, betonte Wohlfahrt. „Gegenbeispiel Wien“: Wegen des Verbots stieg dort die Zahl illegaler Automaten. In Bezug aufs Burgenland kann sich Wohlfahrt nicht erinnern, dass er jemals mit einem Abgeordneten aus dem Landtag über die Einführung des Kleinen Glücksspiel geredet habe.

Den Grund für die Legalisierung gab Ex-Landesrätin Michaela Resetar an. „Weil früher oft illegal gespielt wurde, haben wir uns mit dem Koalitionspartner SPÖ in harten Verhandlungen zum Kleinen Glücksspiel durchgerungen. Großer Wert wurde auf den Spielerschutz gelegt“, erklärte die ÖVP-Politikerin. Zuständig für die Parteiengespräche im Detail waren die Klubobmänner, Rudolf Strommer (ÖVP) und Christian Illedits (SPÖ). In einem aufwendigen Verfahren habe schließlich eine Beurteilungskommission die Ergebnisse geprüft. „Vergeben wurden zwei kleine und eine große Lizenz“, schließt Resetar ab. Alle sieben Regierungsmitglieder hatten dem Kleinen Glücksspiel zugestimmt. Von Vorwürfen gegen Illedits, er habe sich über das erlaubte Maß hinaus in die Vergabe eingemischt, um angeblich Sponsorgeld für einen Sportverein zu ergattern, habe sie nichts gewusst. Die Ex-Landesrätin: „Hätte es so etwas gegeben, wäre ich entsetzt gewesen. Ich hätte es nicht zugelassen.“

Apropos Sponsoring der Novomatic-Tochter Admiral für den ASV Draßburg mit Präsident Illedits: Den Vorwurf von zwei „Novomatic-Millionen für den Dorfklub“ kommentierte Wohlfahrt trocken: „Diese Summe würde der Konzern nicht einmal zahlen, wenn der ASV in der Champions League gespielt hätte.“

Über Zahlungen an den SV Mattersburg berichtete eine frühere Sekretärin von Pucher. Sie legte eine Liste vor (ein Ausschnitt, siehe Faksimile auf Seite 32 in unserer heutigen Printausgabe): Demnach hatte die Bank einen Sponsorvertrag über 900.000 € pro Jahr und eine Zusatzvereinbarung über 600.000 Euro, beides brutto. Der größte Geldgeber laut Papier war die Zimmermann GmbH vom mitbeschuldigten Ex-Vize des Aufsichtsratschef mit jährlich 1,56 Millionen €. Brisantes Detail am Rande: Die Sekretärin hatte mit einer Bankkollegin Prüfer der Oesterreichischen Nationalbank zu einem Spiel der Fußball-EM 2008 begleitet - auf Wunsch von Pucher.

Übrigens: Eingestellt sind die Ermittlungen gegen Regina Petrik. Die Grünen-Klubobfrau hatte unerlaubt vertrauliche Akten aus dem U-Ausschuss fotografiert.

Karl Grammer, Kronen Zeitung

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