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Trotz-Tiroler | Kein Friseur-Test

Trotz-Tiroler: Corona und Tirol - eine scheinbar unendliche und vor allem unsägliche Geschichte. Am Montag wurde nun erstmals eine innerösterreichische Reisewarnung verhängt. Eine Maßnahme, die rechtlich zwar zahnlos bleibt, aber die Tiroler Politik in die Schranken weisen soll. Vorausgegangen war der Entscheidung ein tagelanges Gezerre zwischen Land und Bund - wobei nicht zu vergessen, aber leicht zu übersehen ist: Da redet eine ÖVP-Grün-Regierung mit einer ÖVP-Grün-Regierung. Reden heißt hier aber vor allem: aneinander vorbei. Und ausrichten. All das mit zahlreichen unrühmlichen Höhepunkten, wie etwa dem aggressiv-selbstbewussten Auftritt des Tiroler Wirtschaftskammer-Präsidenten in der ZiB2 am Sonntag. Dazu schreibt Claus Meinert, Chefredakteur der „Tiroler Krone“, heute in unserer Tiroler Ausgabe: „Der ,Zeit im Bild´-Auftritt von WK-Präsident Christoph Walser am Sonntagabend mag für viele Tiroler, vor allem die gebeutelten Unternehmer, Balsam auf die Wunden gewesen sein, aber wie meinte ein Leser gestern: ,Mit dieser Andreas Hofer-Mentalität kann man vielleicht in Innervillgraten oder Hinterhornbach punkten. Im Rest Österreichs lachen sie uns aber deshalb aus.´“ In den sozialen Medien zeigten sich auch viele Tiroler selbst pikiert über den Auftritt ihres Landsmanns Walser. Und „Krone“-Autorin Conny Bischofberger, auch eine West-Österreicherin, befasst sich in ihrer heutigen „Moment“-Kolumne auch mit den wilden Drohungen des ÖVP-Politikers aus Tirol. Und kommt dabei zum Schluss: „Drohgebärden gegen die vermeintlich Stärkeren - Bundespartei, EU - sind in der Politik sehr beliebt. In einer Pandemie jedoch sind sie lächerlich. Und gefährlich. Weil es hier um die Gesundheit aller geht. Und nein, den Trotz solcher Männer will man nicht noch näher kennenlernen.“ Man konnte sich gestern übrigens des Eindrucks kaum erwehren, die Reisewarnung aus Wien sei durch das Aufspielen von Walser und Co. Zusätzlich angestachelt worden.  

Kein Friseur-Test. Durchwachsen fiel gestern Abend die Bilanz über den ersten Geschäfts-Öffnungstag im Handel seit Weihnachten aus. In den Städten lief es ganz gut, am Land weniger. Und die Friseure? Da hörte man unter den Masken so manches. Von jenen Berufskollegen, die auch in den vergangenen Wochen „ordiniert“ hatten - per Hausbesuch etwa. Oder von jenen Kunden, die schon bei der telefonischen Reservierung eines Termines für die nächsten Tagen vermeldeten: Aber vorher testen lasse ich mich sicher nicht!„ Auf die Friseurs-Erwiderung, dass den Unternehmern bei Missachtung der Vorschriften unbezahlbar hohe Strafen drohten, ernteten die Friseure des Öfteren die klare Drohung: “Dann gehe ich eben wo anders hin, wo ich keinen Test vorweisen muss.„ Ouh! Man kann Polit-Professor Peter Filzmaier nicht oft genug zitieren. Der hatte schon in der zweiten Dezember-Woche angesichts des Verhaltens vieler Österreicher in der “Krone„ gewarnt: “Stand jetzt würde die Pandemie nie enden. Weil wir nicht genug dagegen tun." Stand jetzt, zwei Monate später: Wenn wir so weitermachen, könnte Filzmaiers Unkenruf Realität werden. Eine schier unerträgliche Vorstellung!

Einen schönen Tag!

Klaus Herrmann
Klaus Herrmann

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Donnerstag, 23. September 2021
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