27.01.2021 11:08 |

Hinter den Kulissen

Gefährdete Boten, neue Allianzen - und Ausnahmen

Gefährdete Boten
Überbringer schlechter Nachrichten leben gefährlich. Zwar müssen sie in zivilisierten Gesellschaften nicht um ihren Kopf fürchten - wohl aber um ihre Umfragewerte. Das weiß Sebastian Kurz - bekannt dafür, in der Kommunikation nichts dem Zufall zu überlassen. Darum schickt er neuerdings andere vor. Je unsicherer der Status quo, je unbeliebter mögliche neue Maßnahmen, umso größer die Beraterrunde. Mediziner, Mathematiker, Sozialpartner, Landeshauptleute und gar die Opposition werden an Tisch bzw. Corona-konform den Bildschirm geholt. Die Entscheidung trifft freilich weiter der kleinste Kreis des Kanzlers im Alleingang. Oder, wie NEOS-Frontfrau Beate Meinl-Reisinger es formuliert: „Eine echte Einbindung des Parlaments war das nicht. Aber immerhin gab es Dialog.“ Man wird genügsam.

Neue Allianzen
In der Resignation bilden sich neue Allianzen - während alte Risse bekommen. So soll Teilnehmern an der Krisenrunde mit Kanzler und Landeshauptleuten zufolge der steirische Schwarze Hermann Schützenhöfer die Stimme gegen Gesundheitsminister Rudolf Anschober erhoben haben - nach dem Motto: „Frage an Radio Eriwan: Was ist jetzt mit den Impfstoffen?“ Um dann ins Wortgefecht mit dem seinem Koalitionspartner zu Hilfe eilenden türkisen Kanzler überzugehen.

Hart? Weich? Klar!
Im Zweifel sind den Landeschefs die Wähler doch näher als der Parteichef. Überlastete Eltern, verzweifelte Unternehmer, einsame Senioren, sie alle fragen sich und ihre Volksvertreter: Wie lange noch? Die klare Antwort, so sagen Psychologen, ist die einzig richtige. Ob sie nun heißt: zwei Wochen mit aller Härte oder bis zum Sommer, dafür mit neuer Frisur beim maskierten Shopping-Spaß. Was die Moral senkt, sind Ausnahmen, die keiner versteht. Nicht die einzige, aber die wohl emotionalste: Skigebiete, in denen sich Touristen tummeln, während Schüler nicht in ihre Klassen dürfen.

Apropos: „Wer Ski fährt, bleibt gesund“, tönte es vor einer Woche aus der überzeugten Brust des gewichtigen Tiroler ÖVP-Urgesteins Franz Hörl. Am Dienstag gab der oberste Seilbahner seine Infektion mit dem Coronavirus bekannt. Ein Schelm, wer angesichts geschlossener Schulen und offener Lifte an Karma denkt.

Teresa Spari, Kronen Zeitung

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