21.01.2021 06:00 |

Schwarze Schafe

Nach Drängeln beim Impfen muss Rücktritt erfolgen

Sie sind immun gegen das Coronavirus und gegen jede Moral. Immer mehr Bürgermeister in Österreich drängen sich beim Impfen vor. Einzig logische Konsequenz: Rücktritt!

Impfschaden, oder liegt die Empathielosigkeit in den Genen? Mediziner beruhigen: Die verhaltensoriginelle Persönlichkeit des Feldkircher Bürgermeisters Wolfgang Matt hat nichts mit dem Serum zu tun, das er sich an Alten vorbeiergaunert hat.

Zu sehen war Matt Dienstagnacht auch in der „ZiB 2“. Warum er so früh die Impfung erhalten habe, wurde Matt von ORF-Anchorman Armin Wolf gefragt. Die Antwort: „Ich schmeiße auch kein altes Brot weg, daraus wird Toast gemacht.“ Der Impfstoff sei nämlich übriggeblieben. Die vor der Tür wartenden Betagten? Offenbar nur eine Fata Morgana. Sogar die Ärztin des Pflegeheims hatte sich anfangs geweigert, Matt zu impfen. Es folgte: eine Intervention. Und heute? Eine Entschuldigung gibt es nicht. An Rücktritt denkt Matt ebenso wenig. Er ist geschützt, während unzählige 90-Jährige immer noch auf die Rettung warten.

Aber Wolfgang Matt ist nicht alleine. Die gute Nachricht für Politiker: Wenn es mit dem Moralverfall so weitergeht, ist zumindest bei den Bürgermeistern die Herdenimmunität bald erreicht.

Nicht alt, aber geimpft ist auch Rankweils Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall (ebenfalls Vorarlberg). Eine 44-jährige Frau, die sich auf Facebook gerne beim Skifahren zeigt. Wieder ist Serum übriggeblieben, und Wöß-Krall hat es sich gekrallt. Was ist mit den Risikopatienten? Pech gehabt.

60.000 Tonnen altes Brot landen in Österreich jährlich im Müll, nichts davon scheint von diesen angeblichen Volksvertretern zu stammen: Zu den Toastern gehören auch der Eberschwanger Bürgermeister und seine beiden Vizes (OÖ), der Pottendorfer Ortschef Thomas Sabbata-Valteiner (NÖ) und weitere Politiker aus Völkermarkt und Sittersdorf (Kärnten), Kematen (Tirol) usw. (siehe Grafik oben). Und auch er wurde früh geimpft: der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch.

Keine zweite Dosis für „Schummel-Politiker“
Doch damit kommen die Impf-Drängler nicht durch. Die Kärntner Landesregierung prescht nun vor: „Wessen Name nicht auf einer Impfliste stand, der erhält keine zweite Dosis!“

Regierung entsetzt über Vordrängler
Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) zeigten sich Mittwoch entsetzt über Vordrängler.„Da fehlt mir jedes Verständnis, und es macht mich wütend, wenn so etwas passiert“, meint Blümel. Kogler: „Dieses Vordrängen beim Impfen ist absolut unrühmlich, diese Praxis hat abgestellt zu werden! Wozu haben wir Impfkoordinatoren in den Bundesländern? Damit so etwas eben nicht passiert.“ Sollten Rücktritte folgen? Der Vizekanzler weiter: „Hier haben die Landeshauptleute zu entscheiden.“


Kanzler zeigt sich „zornig und wütend“

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte sich bereits am Mittwoch in der „Krone“ „wütend und zornig“ gezeigt. Zumindest bei den ÖVP-Bürgermeistern hat er es in der Hand: Ein Wort des Bundesparteiobmanns, und die Ortschefs können ihren Hut nehmen.

Von der Opposition meldete sich Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) zu Wort: „Das Impfprogramm ist kein Selbstbedienungsladen.“ Den Österreichern geht angesichts dieser Fälle das G’impfte auf. Wer überholen will, landet oft im Straßengraben. Rücktritte! Jetzt!

Michael Pommer und Bundesländer-Redaktionen, Kronen Zeitung

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