Ärzte ohne Grenzen:

„Jährlich zehn Millionen Tuberkulose-Erkrankungen“

Ausland
02.01.2021 12:00

Leidgeplagtes Sierra Leone: Neben Tuberkulose und Co. kämpft man noch mit den Folgen des Ebola-Ausbruchs 2014/2015. Und mit Corona.

Als Labormanagerin ist Esther Asch weltweit für Ärzte ohne Grenzen tätig. Das bedeutet selten Bedingungen wie bei uns, da hat man vielmehr mit Strom-, Wassermangel und Co. zu kämpfen. Doch Diagnostik ist wichtig, gerade wenn mehrere Infektionen gleichzeitig zusammentreffen. Wie in Sierra Leone. Hier ist etwa Tuberkulose Thema. Es gibt sie aber weltweit: „Jährlich erkranken laut WHO zehn Millionen Menschen neu an Tuberkulose, eineinhalb Millionen sterben daran.“ Oft liegt Tuberkulose versteckt vor und bricht aus, wenn man geschwächt ist, etwa durch Mangelernährung oder andere Infektionen wie HIV. Unbehandelt führt sie meist zum Tod, impfen schützt nur vor schweren Verläufen.

„Böse Erinnerungen an Ebola“
2014/2015 durchlebte Sierra Leone einen großen Ebola-Ausbruch: „Die Bevölkerung steht noch immer unter Schock“, so Asch, „es gibt keine Familie, die nicht Angehörige verloren, nicht gravierende Lebenseinschnitte erlitten hat.“ Zehn Prozent der Gesundheitsarbeiter starben, die Stellen sind teils noch nicht nachbesetzt. Die damals aufgebauten Strukturen konnten nun für Covid-19 genutzt werden. Corona hat man hier im Griff - sagen zumindest die Zahlen: Bis dato soll es 3000 Infizierte und 75 Tote geben. Fraglich ist, inwieweit das an den beschränkten Testkapazitäten liegt.

Ein Ebola-Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen in Kailahun, Sierra Leone (Bild: Sylvain Cherkaoui/Cosmos)
Ein Ebola-Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen in Kailahun, Sierra Leone

Gibt es auch schöne Momente?
Asch sah jedenfalls wenige Corona-Patienten, doch wer von ihnen „einen schweren Verlauf hatte, starb“. Denn wer schon von Infektionen geschwächt ist, hat kaum Kraft, sich gegen weitere zu wehren. Ob Asch dabei auch schöne Momente erlebte? „Ein Tuberkulose-Patient etwa kam im schlechten Zustand ins Krankenhaus. Wir dachten, er würde die Nacht nicht überleben.“ Drei Monate später „richtete er sich im Bett auf, lachte. Letztlich war er es auch, der seinen Cousin mit ähnlichen Symptomen wie den seinen zu uns brachte. Er hat also gut weitergemacht.“

(Bild: Ärzte Ohne Grenzen)

Hier können Sie helfen
Ärzte ohne Grenzen ist weltweit tätig. Die Organisation ist neutral, unparteiisch, unabhängig - und deshalb angewiesen auf Spenden.

Infos: www.aerzte-ohne-grenzen.at, Spendenkonto Erste Bank, IBAN: AT43 2011 1289 2684 7600, BIC: GIBAATWWXXX

Silvia Schober, Kronen Zeitung

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