Vier-Augen-Gespräch

Vettel und Webber haben sich wieder gern

Sport
16.11.2010 14:33
Der Champion und sein Red-Bull-Teamkollege haben sich offenbar wieder gern: Sebastian Vettel und Mark Webber zogen sich am Sonntag unmittelbar nach dem Herzschlagfinale von Abu Dhabi in Vettels Unterkunft zurück, um ihre im Laufe der Saison immer größer gewordenen Differenzen auszuräumen. Danach sei es ihnen beiden besser gegangen. "Wir haben das wie Männer erledigt", erklärte Webber am Dienstag.

"Wir haben kurz unter vier Augen miteinander gesprochen. Dabei ist vieles zur Sprache gekommen", verriet Webber. Der Australier hatte dem Weltmeister im Saisonverlauf mehrmals Bevorzugung durch das Team attestiert. Dazu hatte es in Istanbul eine kontroverse Kollision zwischen den beiden Stallrivalen gegeben. "So etwas gehört abgehakt", betonte der 34-Jährige. Am Auto hätte man ohnehin immer zusammengearbeitet.

Der Rennstall sieht die Rivalität sogar als befruchtend an. "Es ist nicht immer einfach zu managen, aber sie pushen sich gegenseitig zu Höchstleistungen - und dadurch auch das Auto", erklärte Teamchef Christian Horner. Vettel hatte sich durch die auch medial hochgespielten Differenzen nie aus der Ruhe bringen lassen. "Manchmal gerät man sich eben in die Haare, das ist normal", meinte der Deutsche. "Irgendwann muss jeder auf sich schauen."

Vettel: "Das war gut für uns beide"
Für ein gutes Klima in der kommenden Saison sei die Aussprache aber wichtig gewesen - auch in diesem Moment, unmittelbar nach dem größten Triumph seiner Karriere. "Das war gut für uns beide", sagte Vettel, der wie schon im Vorjahr auch 2011 ein Fahrerduo mit Webber bilden wird. Allen Rücktrittsgerüchten nahm der "Aussie" den Wind aus den Segeln, indem er selbst als geschlagener WM-Dritter zu den Red-Bull-Feierlichkeiten in Salzburg angereist war.

Stehende Ovationen für Webber
Webber machte gute Miene zum für ihn gar nicht so guten Spiel - und war prompt einer der großen Gewinner des Galaabends. Der Australier erhielt am Montag unvermittelt von 1.000 Gästen im Hangar-7 stehende Ovationen, hatte dabei sogar leicht glasige Augen. "Dieser Empfang war sehr speziell", gestand der vierfache Saisonsieger. "Es gibt auch andere Leute als die großen Sieger, die den Sport interessant machen. Das ist gut so."

Neidfreier Verlierer
Als Verlierer zeigte Webber Größe, gratulierte Vettel zu einem "völlig verdienten" Titel. Neid verspüre er nicht, das enorme Interesse am jüngsten Weltmeister aller Zeiten sei gerade in Österreich oder Deutschland nachvollziehbar. "Das ist eine Geschichte von Weltformat. Nächstes Jahr werde ich ihm aber ordentlich einheizen", versprach der Routinier dem elf Jahre jüngeren Kollegen. "Die Erwartungen an ihn sind jetzt noch höher."

Umso mehr kann auch Webber gewinnen, falls er kommende Saison mit dem Weltmeister mithalten kann. "Mark wird nächstes Jahr noch stärker zurückkommen", versprach Teamchef Horner. Bis dahin gehen sich die beiden Stallrivalen nach einer abschließenden Feier in der Fabrik in Milton Keynes aber erst einmal aus dem Weg. Webber mit einem Lächeln, das er nach dem Frust von Abu Dhabi zurückerlangt hat: "Irgendwann gehen wir uns doch alle auf die Nerven."

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