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„Ich wundere mich“ - letztes Maradona-Interview

Zu seinem 60. Geburtstag gab Diego Maradona der größten argentinischen Sportzeitung "Clarin“ ein Interview. Es war sein letzter Dialog mit der Presse. In diesem sagte er: „Ich wundere mich, dass die Menschen mich immer noch lieben“. Er sprach über seine immerwährende Liebe zum Fußball, über das Fehlen seiner Mutter und über seine Heimat. 

„Manchmal wundere ich mich, dass die Menschen mich immer noch lieben“ - Maradonas Worte stechen einem selbst dann ins Auge, wenn man sie nicht in der Originalversion bei „Clarin“ liest, sondern bei der britischen Tageszeitung “Mirror“. Demnach sagt er: „Ich werde den Menschen für immer dankbar sein. Jeden Tag überraschen sie mich aufs Neue. Ich werde nie vergessen, wie sie mich empfangen haben, als ich wieder nach Argentinien zurückgekehrt bin.“

„Manchmal fragte ich mich“
„Ich war so lange weg, dass ich mich manchmal fragte, ob die Menschen mich noch liebten, ob sie immer noch das gleiche für mich fühlen, wie früher. Das, was ich von ihnen bekam, übertraf alles, was ich mich je getraut hätte zu erhoffen“, fügte die Nummer zehn der argentinischen Nation hinzu, in Anspielung auf seinen letzten Arbeitsplatz. Zuletzt war er ab September 2019 beim argentinischen Erstligisten Gimnasia La Plata tätig. Vorher arbeitete er in Mexiko.

„Als ich bei Gimnasia auf dem Platz den Fans präsentiert wurde (oben in den zwei Bildern), überkamen mich die Gefühle. Ich dachte, dass die Liebe, die ich den Menschen gegenüber spüre, nie vergehen wird“, rief er die rührenden Szenen in Erinnerung. „Fußball gab mir mehr, viel mehr, als ich mir je hätte vorstellen können. Wenn ich nicht die Probleme mit der Sucht gehabt hätte, hätte ich noch viel mehr spielen können. Das ist aber die Vergangenheit.“

Wunsch: Die Mutter wiederzusehen
Bezüglich seines emotionalen Zustandes sagte der "Goldjunge“ folgendes: „Mir geht es gut, das einzige, was mir leidtut, ist, dass meine Eltern nicht mit mir sein können.“ Besonders stark spürte Diego das Fehlen seiner Mutter: „Ich wünsche mir immer, ich hätte noch einen Tag mit Tota, aber ich weiß, dass sie im Himmel ist und dass sie sehr stolz auf mich ist.“ Maradona dachte, mit 60 die Drogenabhängigkeit hinter sich gelassen zu haben und etwas direkt für den argentinischen Fußball tun zu können, mache nicht nur ihn, sondern auch seine 2011 verstorbene Mutter glücklich.

Maradona zeigte sich im Interview stolz auf seine Erfolge im Nationaltrikot und er sprach davon, dass er sich immer noch gerne andere Sportarten anschaut, wenn Argentinier mit dabei sind. „Zuletzt sah ich Peque (Diego Schwartzman) gegen Rafael Nadal, ich glaube, ich habe mehr gelitten, als er“, erzählte der Ausnahmekönner. 

Seine Meinung zum Konflikt zwischen Lionel Messi und FC Barcelona wurde auch gefragt. Maradona erwähnte, dass die Spannung zwischen den beiden Seiten von Saison zu Saison wuchs. Man konnte spüren, dass das nicht schön ausgehen wird. Er aber - erzählte die Legende - kenne diese Situation aus Neapel, wenn man mit einem Vertrag an einen Verein gebunden ist, sei eine Trennung alles andere als leicht, behauptete „die Hand Gottes“.

Heißgeliebte Boca
Auch seine geliebten Boca Juniors durften aus dem Interview nicht fehlen: Dort schoss er in 1981 und 82 in 40 Partien 28 Tore. Von den Blau-Gelben wechselte er damals nach Barcelona. Er sagte zufrieden, dass er jetzt eine Besserung bei seinem Lieblingsverein sieht und dass die Rivalität zwischen Boca und River wieder den alten Zeiten ähnelt. Die beiden Trainer Marcello Gallardo (River) und Miguel Rosso (Boca) würden für Konstanz sorgen.

Drei Wünsche für Argentinien
Der Autor fragte den 60-jährigen Maradona, was er sich noch vom Leben wünscht: Der Mann aus Fiorito, dem Armenviertel von Lanus, blieb treu zu sich selbst: „Ich wünsche mir, dass jeder Argentinier gesund sein soll und die Pandemie bald der Vergangenheit angehören soll. Wir haben ein wunderbares Land und ich glaube, unser Präsident kann uns aus dieser Situation rausführen. ich bin immer sehr traurig, wenn ich ein Kind sehe, das nicht genug zum Essen bekommt. Ich kenne das, wenn du als Kind hungrig bist und tagelang nichts essen kannst. So etwas darf in meiner Heimat nicht vorkommen. Daher wünsche ich den Argentiniern, dass sie glücklich sind, dass sie genug Arbeit haben und dass wir so viel zum Essen haben, das es jedem von uns ausreicht.“ 

Diego Armando Maradona verstarb in seinem 61. Lebensjahr, in seiner Wohnung, in Tigre. Ein Herzstillstand riss ihn aus dem Leben. In Argentinien wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

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