17.11.2020 06:00 |

Gamer durchleuchtet

Computerspiele laut Studie gesund für die Psyche

Forscher der Universität Oxford in Großbritannien haben in einer großen Studie zur psychologischen Wirkung von Videospielen herausgefunden, dass Gaming das psychische Wohlbefinden verbessern kann. Spieler, die sich mit familientauglichen Titeln wie Nintendos „Animal Crossing“ oder „Plants vs. Zombies“ von EA beschäftigten, erwiesen sich in der Studie als die glücklicheren Menschen.

Bei der Studie der Universität Oxford wurden erstmals ganz reale Spielstatistiken von Nintendo und EA herangezogen und die Spieler mit Fragebögen zum physischen Wohlergehen konfrontiert. Anschließend wurde nach Zusammenhängen zwischen den Spielaktivitäten und dem psychischen Wohlbefinden gesucht. In früheren Studien hatte man bei den Spielaktivitäten nur die - womöglich verfälschte - Eigeneinschätzung der Spieler selbst zur Verfügung, diesmal kamen die Daten von den Herstellern.

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Die Daten zeigen, dass jemand, der vier Stunden am Tag ‚Animal Crossing‘ spielt, ein viel glücklicheres menschliches Wesen ist.

Andrew Przybylski, Universität Oxford

Für die Studienautoren ein nicht zu unterschätzender Unterschied: Ihre sei die erste derartige Studie, bei der man mit realen Nutzungsdaten aus der Industrie gearbeitet habe statt mit der Selbsteinschätzung der Spieler. Und die Daten „zeigen, dass jemand, der vier Stunden am Tag ‚Animal Crossing‘ spielt, ein viel glücklicheres menschliches Wesen ist“, sagt Studienautor Andrew Przybylski zum „Guardian“.

Nun haben die Forscher mit „Animal Crossing“ und „Plants vs. Zombies“ natürlich eher Wohlfühlspiele und keine blutigen Shooter analysiert. Ihre Methode sei aber auch für weiterführende Forschung interessant, ist sich das Team um Przybylski sicher. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir, wenn diese Forschung weitergeht, auch viel über jene Dinge in Spielen lernen werden, die wir als toxisch betrachten.“ Es gehe ihm um wissenschaftliche Evidenz auf Basis harter Fakten.

Schwache Datenlage bei früheren Studien
Przybylski weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die meisten bisherigen Studien zu den psychologischen Auswirkungen von Computerspielen ohne valide Daten zu den Spielgewohnheiten der Studienobjekte auskamen. „Da gibt es hoch respektierte, wichtige Körperschaften wie die World Health Organization (WHO) und das NHS, die Aufmerksamkeit und Ressourcen für etwas aufwenden, für das es in Wirklichkeit einfach keine guten Daten gibt“, kritisiert Przybylski unter anderem die WHO, die Computerspielsucht 2018 als offizielles psychologisches Krankheitsbild klassifizierte.

Wie sich weniger familienfreundliche Spiele als die untersuchten auf die Spieler auswirken, bleibt indes zu erforschen. Dass Nintendos niedliche Lebenssimulation „Animal Crossing“ und das nicht minder bunte und kindgerechte „Plants vs. Zombies“ fröhlich machen, ist nicht verwunderlich. Ob das auch bei blutiger Shooter-Kost oder bis an die Frustrationsgrenze fordernden Hardcore-RPGs der Fall ist, gilt es ebenso noch zu erforschen wie den Einfluss der Motivation der Spieler, die ebenfalls vielfältig sein kann. Während der eine spielt, um zu entspannen und abzuschalten, sucht der nächste eine kompetitive Herausforderung und will sich profilieren. Es wäre nicht verwunderlich, gäbe es auch hier Unterschiede.

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