28.10.2020 18:45 |

Binnen weniger Tage

Wien: Schnelltests für alle Pflegeheimbewohner

In Wien werden demnächst alle rund 17.000 Bewohner der Pflegewohnhäuser in einem kurzen Zeitraum auf das Coronavirus getestet. Dabei kommen Antigen-Schnelltests zum Einsatz, wie Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) am Mittwochabend mitteilte. Das Screening beginnt am 3. November und soll binnen acht bis neun Tagen abgeschlossen sein. Insgesamt hat sich die Stadt rund zwei Millionen solcher Tests gesichert - fällt einer positiv aus, wird das Ergebnis aber weiterhin per PCR-Test verifiziert.

In Wien wurden am Mittwoch binnen 24 Stunden 793 neue Corona-Infeltionsfälle registriert, sechs Menschen sind verstorben. Nun sollen laut Hacker 90 Pflegeeinrichtungen innerhalb einer guten Woche komplett durchgetestet werden. Geplant ist, täglich bei rund 2000 Bewohnerinnen und Bewohnern - sie zählen zu den besonders gefährdeten Gruppen, wenn sie sich mit SARS-CoV-2 infizieren - einen Abstrich vorzunehmen. Dank Antigen-Test liegt ein Ergebnis bereits nach rund 15 Minuten vor. 20 Teams, bestehend aus Sanitätern und Administrationskräften, sind für die Schwerpunktaktion im Einsatz.

Kaufoption für zwei Millionen Tests
Hacker berichtete, dass sich die Bundeshauptstadt eine große Menge an Antigen-Tests gesichert habe. Sie werden in Tranchen geliefert. „20.000 Stück liegen schon da“, erklärte der Ressortchef. Es gibt eine Kaufoption auf bis zu zwei Millionen Stück, wobei sie nicht alle gekauft werden müssen - etwa dann, wenn in naher Zukunft ein noch besseres Produkt auf den Markt kommen sollte.

Neben den Pflegewohnhäusern kommt die erste Charge ab kommender Woche auch in eigenen, bereits angekündigten Ordinationscontainern zum Einsatz. Das Projekt wird in der Pilotphase mit drei Container-Standorten starten und bei Erfolg auf insgesamt 30 in der ganzen Stadt ausgeweitet werden, wie Hacker meinte.

Schnelle Resultate in Grippesaison
Er sprach von „Checkboxen“. Die Idee dahinter: In den Ordinationscontainern sollen in der Schnupfen- und Grippezeit symptomatische Personen sofort per Schnelltest auf eine Infektion überprüft werden. Ist das Ergebnis negativ, bekommt man an Ort und Stelle gleich eine Behandlung durch den anwesenden Arzt bzw. die Ärztin. Im Fall eines positiven Resultats, also einer nachgewiesenen Corona-Infektion, wird vom dortigen Mediziner einer Absonderung ausgesprochen und der Patient muss sich in Quarantäne begeben.

„Wollen Corona-Infektionen nicht in Arztpraxen haben“
Das Projekt wurde in Kooperation mit der Ärztekammer entwickelt, die eingesetzten Mediziner stellt der Ärztefunkdienst. Patienten können laut Stadtrat in der Probephase ohne Terminvereinbarung hinkommen. Sollte es nötig sein, werde man sich ein Terminmanagement überlegen. „Wir wollen Corona-Infektionen nicht in den Arztpraxen haben“, erklärte Hacker. Durch die Container sollen die niedergelassenen Ärzte entlastet werden. Erst vor einer Woche wurde von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bekannt gegeben, dass nun auch niedergelassene Hausärzte Antigen-Tests zur Bekämpfung der Corona-Pandemie durchführen können - „auf freiwilliger Basis“, wurde betont.

Bis auf Weiteres gilt aber jedenfalls, dass positive Antigen-Testergebnisse durch einen herkömmlichen PCR-Test, der weiterhin der „Goldstandard“ unter den Testmethoden ist, noch einmal überprüft werden.

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