21.10.2020 14:00 |

In der Steiermark

Sexuelle Diskriminierung in einem Jahr verdoppelt!

712 Anfragen aufgrund von mutmaßlicher Diskriminierung sind im Jahr 2019 bei der Antidiskriminierungsstelle (AD) Steiermark eingegangen, 540 Mal hat die Servicestelle interveniert. Die Fälle von Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität haben sich fast verdoppelt, so Daniela Grabovac, die Leiterin der Stelle. Vor allem Transgender-Personen sind viel Hass ausgesetzt.

Alter, Behinderung, ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht, Hautfarbe, Sprache, Weltanschauung: Die Ursachen für Diskriminierung waren auch im Jahr 2019 vielfältig. In der Steiermark ging es bei mehr als der Hälfte der Fälle um Benachteiligung wegen der ethnischen Herkunft (37,96 Prozent), der Religion (14,63 Prozent), oder dem Alter (10,37 Prozent). Hier sind die Meldungen seit Jahren kostant hoch.

Zu vermehrten Meldungen sei es im Bereich der sexuellen Diskriminierung gekommen. Hier haben sich die Fälle im Vorjahr auf nunmehr 6,11 Prozent beinahe verdoppelt, „vor allem was die Diskriminierung von Transgender-Personen betrifft“, so Grabovac im Pressegespräch in Graz.

„Bedenkliche Dimension“
„Die Fälle haben eine bedenkliche Dimension erreicht - auch was die sexualisierte Gewalt in der Öffentlichkeit betrifft. Und die Dunkelziffer ist vermutlich um einiges höher.“ Berichtet wurde von bürokratischen Hürden für Transgender-Personen bei Aufenthalten in Gesundheitseinrichtungen bis hin zu sexuellen Übergriffen und Gewalt im öffentlichen Raum, schilderte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle.

Aufklärung schon in Schulen notwendig
Grabovac hielt eine umfassende Aufklärungsarbeit für notwendig. „Wir brauchen als Gesellschaft eine andere Denk- und Handlungsweise, Menschen in ihrer Einzigartigkeit und Vielfältigkeit zu verstehen und dies sollte schon im Kleinen beginnen.“ Ein Schritt in die richtige Richtung wäre es, bereits in den Schulen, im Rahmen von Sexualkundestunden, über Diskriminierung und Transphobie aufzuklären und die Schülerinnen und Schüler damit zu sensibilisieren, hält diesbezüglich auch der Bericht fest.

Internet ist häufig Tatort
Der Tatort für Diskriminierungen ist sowohl der öffentliche Raum als auch das Internet. So gingen im Jahr 2019 auch 1826 Meldungen über „BanHate“, einer mobilen App, mit der Hasspostings auf sozialen Netzwerken plattformunabhängig gemeldet werden können. „Wir werten diese Hasspostings aus und leiten diese an die zuständigen Behörden weiter“, erklärte die Grazer Expertin. „Wir brauchen eine staatlich unabhängige Stelle, die sich dieser Fälle annimmt“, betonte Sozial- und Integrationslandesrätin Doris Kampus (SPÖ).

Anschläge in Graz machen betroffen
Der Grazer Bildungs- und Integrationsstadtrat Kurt Hohensinner zeigte sich auch über die Entwicklung, die sich offline abspielt, besorgt und sprach konkret die Anschläge gegen die Synagoge und das Vereinslokal der RosaLila PantherInnen im August dieses Jahres an. In Graz werde man vor allem im Bildungsbereich ansetzen, um dem Antisemitismus schon früh den Nährboden zu entziehen. In den kommenden Wochen werde man das um 180.000 Euro geschnürte Präventionskonzept präsentieren, kündigte der Stadtrat an.

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