14.10.2020 12:00 |

krone.at-Kolumne

Willkommen in der linken Hochburg Wien!

Wien ist anders. Ganz anders. Denn in keinem anderen Bundesland sind linke Parteien derart stark wie in der Bundeshauptstadt. Das bestätigte auch einmal mehr die gerade geschlagene Wahl. Willkommen in der linken Hochburg Wien!

Während die FPÖ und ihr ehemaliger Gottseibeiuns nach dem Wahl-Desaster am Sonntag ihre Wunden lecken, dürften vor allem bei den Parteien links der Mitte die Sektkorken ordentlich geknallt haben. Sie haben nämlich allesamt satt zugelegt. Zählt man die Wahlergebnisse der linken Parteien zusammen, kommt man auf weit über 60 Prozent der Stimmen. Das ist beachtlich. Wien ist also linker denn je, unsere Bundeshauptstadt ist die unerschütterliche Hochburg der Gutmenschen. Aber was macht Wien so anders?

Der Wiener ist ein gemütliches Gewohnheitstier
Einerseits ist es die Macht der Gewohnheit. Seit jeher ist Wien fest in roter Hand und der Wiener bekanntermaßen ein gemütliches Gewohnheitstier, das den Regierenden seine Stimme schenkt, sofern sie nichts grob falsch gemacht haben. Von dieser „Passt eh alles“-Mentalität profitierten bei dieser Wahl Rot und Grün. Sie hätten sich den Wahlkampf eigentlich auch sparen können.

Für den Wiener ist Multikulti nichts Neues
Auch ein Punkt ist sicherlich, dass für den Wiener als Großstädter Diversität und Multikulti nichts Neues sind. Der Kebab am Gürtel, das Chopsuey an der Linken Wienzeile oder die Cevapcici in Favoriten - das sind alles Vorzüge der Zuwanderung, die der Wiener zu schätzen weiß. Nur die Flüchtlingskrise im Jahr 2015 hat ihn kurzfristig ins Wanken gebracht und verunsichert. Das Kippen nach rechts war ein Weckruf und hat auch die linken Parteien gelehrt, dass man dieses Thema nicht gänzlich außen vor lassen darf, wenn man denn Wahlen gewinnen will.

Die Bobo-Dichte ist in Wien besonders hoch
Zuletzt darf man auch nicht die Einwohnerstruktur in Wien vernachlässigen. Gerade innerhalb des Gürtels gibt es genügend Grätzel, deren Bewohner ihren Kaffee mit Hafermilch trinken und Pop-up-Radwege beklatschen. Auch wenn sie ihre Kinder dann aber doch lieber in die teure Privatschule als in die nächstgelegene Neue Mittelschule schicken, ändert das nichts an ihrem Wahlverhalten. Links sein ist mehr Statement als politische Zugehörigkeit zu einer Partei und ihrem Programm.

Ausruhen dürfen sich die Linken dennoch nicht
Das alles bedeutet freilich nicht, dass sich auch das Kräfteverhältnis in Wien nicht einmal ändern kann. Auch wenn diese Wahl einmal mehr gezeigt hat, dass der Wiener mit seiner Stadt ganz zufrieden ist - in puncto Freunderlwirtschaft und Transparenz gibt es sicherlich noch Verbesserungspotenzial. Denn wenn diese Wahl eines gezeigt hat, ist es, dass nix fix ist und der Wiener das Verprassen von Steuergeld nicht gutheißt. Das haben die Rechten bei dieser Wahl schmerzlich gelernt. Das kann aber auch jeden anderen treffen.

Katia Wagner, krone.at

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