04.10.2020 13:15 |

Samariter-Wunschfahrt

Schwerstkranke wollte einmal noch zum Achensee

„Einmal noch...“ - für todkranke Menschen steckt hinter diesen Worten unermesslich viel. Mit der Wunschfahrt des Samariterbundes nahm nun eine Tirolerin Abschied vom Achensee.

„Wissbegierig, fröhlich – und sie liebte Ausflüge und Urlaube“. So beschreibt die Tochter das Leben ihrer Mutter Maria (Name auf Wunsch geändert). Der heurige Februar ändert alles: Plötzliches Kopfweh, Diagnose Hirntumor, leider Gottes unheilbar.

Seen hat sie immer schon geliebt
Die Familie tut alles, um die letzte Lebensphase lebenswert zu machen. „Vom Gesundheitssprengel haben wir dann von der Wunschfahrt des Samariterbundes erfahren“, erzählt die Tochter. Weil die 75-Jährige einst den Bodensee besonders liebte, nimmt man das größte Tiroler Gewässer als Ausflugsziel ins Visier – den Achensee. Für eine private Fahrt mit dem Pkw ist Maria längst viel zu schwach. Das Spezialfahrzeug des Samariterbundes wurde hingegen eigens konzipiert, um mit solchen Patienten mobil zu sein.

Wünsche vom Garten bis zur Enkel-Hochzeit
Der Samariterbund macht seit zwei Jahren vieles möglich: Ein letztes Mal eine bestimmte Gegend sehen. Oder den eigenen Garten, wenn man wochenlang im Krankenzimmer liegt. Oder die Hochzeit des Enkels. „Wir haben medizinische Ausrüstung, eine Liege, einen Tragstuhl – da sind wir sehr flexibel. Auch der Transport aufs Schiff ist kein Problem“, erzählt Pflegehelferin Elisabeth Bömcke, die mit ihrem Wiener Kollegen Jens Knoll wie gute Geister über Maria wachen. Da kann auch die Tochter durchatmen und umso intensiver die Reaktionen der Schwerkranken beobachten: „Sie kann ja leider nicht mehr sprechen – aber ihr Gesichtsausdruck, als es losging, sagte alles.“

Schifffahrt und Café luden spontan ein
Die Zugabe ist, dass man einen letzten herrlichen Tag erwischt, bevor am Achensee der erste Gruß vom Winter kommt. Dass die Besitzer der Strandbar den Kaffee spendieren und auch die Achenseeschifffahrt auf die Bezahlung verzichtet, krönt natürlich das Erlebnis.

Angehörige dankbar
Zutiefst dankbar ist der Ehemann der Schwerkranken, der dem Samariterbund via „Krone“ nochmals sagen will: „Ich finde es ganz einfach nur toll, dass auch Menschen, die vorher keine Großverdiener waren und ein normales, arbeitsames Leben geführt haben, so etwas ermöglicht wird.“ In Erinnerung bleibt auch das etwa fünfjährige Kind, das beobachtete, wie Maria mit der Trage vom Schiff gebracht wurde. „Wenn ich einmal krank bin“, sagte der Bub, „will ich auch so einen Ausflug machen.“

Die österreichweite Samariter-Wunschfahrt finanziert sich aus Spenden sowie über ehrenamtliche Mitarbeit. Oberstes Ziel ist es, dass die Samariter-Wunschfahrt sowohl für die teilnehmende Person als auch die Begleitperson kostenfrei ist. Infos, wie auch Sie dieses Projekt unterstützen können: https://wunschfahrt.samariterbund.net

Andreas Moser
Andreas Moser
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Mittwoch, 21. Oktober 2020
Wetter Symbol
Tirol Wetter
5° / 21°
stark bewölkt
3° / 17°
stark bewölkt
1° / 18°
bedeckt
6° / 18°
stark bewölkt
2° / 15°
bedeckt