18.09.2020 10:06 |

Öko-Revolution

Niederländer erfand Sarg aus Pilzgeflecht

Naturfreunde können jetzt auch nach ihrem Tod der Umwelt noch etwas Gutes tun: mit einem lebendigen Sarg aus Pilzgeflecht. In dieser Hülle werde der tote Körper binnen kurzer Zeit zu wertvollem Kompost, verspricht der niederländische Erfinder Bob Hendrikx.

Hendrikx ist sichtlich stolz auf seine Weltneuheit: „Es ist eigentlich ein Organismus, der aus der Wurzelstruktur von Pilzen besteht, den größten Recyclern der Natur.“ Der junge Mann hat den Sarg in seinem Studentenlabor an der Technischen Universität Delft entwickelt. Seinen ersten Einsatz hatte der Sarg auch schon: Eine 82-Jährige ließ sich darin beerdigen. Ihre Leiche wird nach Angaben von Hendrikx spätestens in drei Jahren vollständig zersetzt sein - ein Prozess, der in einem herkömmlichen Sarg ein Jahrzehnt dauert. Vom Sarg selbst werde bereits in gut einem Monat nichts mehr übrig sein, wohingegen die lackierten und metallenen Teile eines Holzsarges oft mehr als zehn Jahre überdauerten.

Leiche wird zersetzt, Giftstoffe abgebaut
Der „Pilzsarg“ mache es möglich, „in den Kreislauf des Lebens zurückzukehren, ohne die Umwelt mit Giftstoffen aus dem Körper und dem Sarg zu belasten“, sagt Hendrikx. Die Myzelien - also die Pilzfäden - und die vielen Mikroorganismen im Sarg, den Hendrikx auch als „lebender Kokon“ bezeichnet, beschleunigten den Abbau der Gifte.

Größe und Form ähneln den klassischen Modellen, er hat aber die für das Myzel typische weißliche Farbe und ist wesentlich leichter als ein Holzsarg. Statt auf Polstern wird der Tote auf weiches Moos gebettet - darin lebende Insekten inklusive. Derzeit kostet der umweltfreundliche Sarg 1500 Euro. Zur Herstellung gräbt Hendrikx im Wald Myzelien unter dem Moos aus, vermengt es mit Sägespänen und füllt die Mischung in eine Sargform. Innerhalb einer Woche wächst daraus eine stabile Kiste.

Eine Abschlussarbeit, eine Leiche und eine gute Geschäftsidee
Einen kompostierbaren Sarg zu entwickeln, hatte Hendrikx eigentlich gar nicht geplant. Für seine Abschlussarbeit an der Uni baute er zunächst ein Haus aus Myzelien. Erst als ihn jemand fragte, was mit der Leiche seiner Großmutter passieren würde, wenn sie in diesem Haus liegen bliebe, brachte das den Studenten auf die Idee. Inzwischen hat er die Idee zu seinem Geschäft gemacht. Sein Start-up Loop kooperiert mit einem Bestattungsunternehmen und im Netz ist der Sarg ein Hit.

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