02.09.2020 19:13 |

Nowitschok bei Nawalny

Merkel: „Er sollte zum Schweigen gebracht werden“

Mit scharfen Worten hat Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel auf die jüngsten Entwicklungen im Fall des in Berlin um sein Leben kämpfenden russischen Oppositionellen Alexej Nawalny reagiert. „Er sollte zum Schweigen gebracht werden“, sagte sie am Mittwoch ungewohnt deutlich. Zuvor war bekannt geworden, dass ein Speziallabor der Bundeswehr den „zweifelsfreien Nachweis“ eines chemischen Nervenkampfstoffes der Nowitschok-Gruppe im Körper Nawalnys erbracht hatte.

Merkel zeigte sich am Abend über die Untersuchungsergebnisse bestürzt. Es sei sicher, dass Nawalny „Opfer eines Verbrechens“ wurde - bei ihm sei eindeutig ein chemischer Kampfstoff nachgewiesen worden. „Wir erwarten, dass die russische Regierung sich zu diesem Vorgang erklärt“, so Merkel. „Es stellen sich sehr schwerwiegende Fragen, die nur die russische Regierung beantworten kann und beantworten muss.“ Von dieser hieß es zunächst lediglich, man sei bereit, mit Deutschland „vollständig zu kooperieren“.

Moskau nach Schrecksekunde: „Zusammenarbeit völlig vernachlässigt“
Wenig später schlug man in Moskau dann schärfere Töne an: „Laute öffentliche Erklärungen werden bevorzugt“, so das russische Außenministerium in Richtung Berlin. „Die vorhandenen gesetzlichen Mechanismen zur Zusammenarbeit werden völlig vernachlässigt.“ Es gebe keine Beweise für eine Nowitschok-Vergiftung. Der Sprecher von Präsident Wladimir Putin meinte, die russische Regierung könne auf die Neuigkeiten aus Berlin zum jetzigen Zeitpunkt „nicht qualifiziert reagieren“.

Maas zitiert russischen Botschafter ins Ministerium
Deutschlands Außenminister Heiko Maas hatte Russland zuvor aufgefordert, die Hintergründe im Fall Nawalny „vollumfänglich aufzuklären“. „Wir verurteilen diesen Angriff auf das Allerschärfste“, so Maas. Nach dem Nachweis des chemischen Kampfstoffes sei es „umso dringlicher, dass auch in Russland die Verantwortlichen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden“. Der russische Botschafter in Berlin sei erneut ins Auswärtige Amt zitiert worden, um ihm dies „nochmals unmissverständlich“ klarzumachen.

Österreich: „Verantwortliche müssen zur Rechenschaft gezogen werden“
Österreich forderte am Mittwoch ebenfalls erneut eine unabhängige und transparente Untersuchung. „Wir erneuern unsere dringende Forderung nach einer unabhängigen und transparenten Untersuchung des Angriffs auf Nawalny. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Wir verurteilen unmissverständlich den Einsatz von chemischen Waffen unter allen Umständen“, so das Außenministerium auf Twitter.

Überlebenskampf in der Charité
Nawalnys Gesundheitszustand ist nach Angaben der behandelnden Berliner Charité-Klinik weiterhin ernst. Zwar gingen die Vergiftungssymptome zurück, Nawalny liege aber nach wie vor auf der Intensivstation und werde maschinell beatmet, hieß es aus dem Krankenhaus, in dem Nawalny seit 22. August behandelt wird. Mit einem längeren Krankheitsverlauf sei zu rechnen, Langzeitfolgen der schweren Vergiftung seien nicht auszuschließen.

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