24.08.2020 07:22 |

Auftritte im Staats-TV

Zwei Österreicher als „Lukaschenko-Versteher“

Nach einem umstrittenen Auftritt des Schwechater SPÖ-Chefs und Vizepräsidenten der Österreichisch-Weißrussischen Gesellschaft (ÖWG), David Stockinger, hat sich am Wochenende ein weiteres SPÖ-nahes ÖWG-Mitglied im Minsker Staats-TV zu Wort gemeldet: David Kainrath prangerte auf „Belarus 1“ die westliche Weißrussland-Berichterstattung an. Zur Wahl und zu Polizeigewalt war von ihm nichts zu hören.

„In unseren deutschsprachigen Medien werden alle Ereignisse sehr einseitig dargestellt. Grund ist, dass unsere Medien keine Sympathien für Ihren Staatschef und Ihre Regierung empfinden“, sagte Kainrath am Samstag auf Englisch laut der ausgestrahlten russischen Übersetzung. Berichterstattung über Weißrussland fehle entweder oder erfolge auf eine negative Weise, beklagte der als Politologe vorgestellte Österreicher, der dem Vorstand der ÖWG angehört. Zumindest in der Vergangenheit war er auch im SPÖ-nahen Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen aktiv.

„Geopolitischer Hotspot“ mit mächtigen Nachbarn
Die aktuellen Ereignisse im Land erklärte Kainrath mit der Einflussnahme mächtiger Nachbarn im Osten und Westen. „Weißrussland hat ein großes Problem - es befindet sich in einem geopolitischen Hotspot“, sagte er. Wie die Einflussnahme konkret funktioniere, könne er zwar nicht sagen, im Internet gebe es aber viele Gerüchte zur Rolle der Nachbarstaaten.

Video: Lukaschenko entsteigt Hubschrauber mit Kalaschnikow in der Hand

Ähnliche Ansichten über Lukaschenko und sein Regime äußerte Kainrath auf krone.tv in der Diskussionssendung „Moment Mal“ - die Berichterstattung sei einseitig und man könne nicht das „Schema X vom bösen Diktator“ heranziehen. Die Proteste verglich Kainrath mit jenen der Gelbwesten in Frankreich.

„Keine Korruption, sichere Straßen“
Der Politologe berichtete gleichzeitig über „äußerst gute Erfahrungen“, die er während eines Studienjahres in Minsk gemacht habe. Konkret lobte er, dass es im Land keine Korruption gebe und die Straßen auch in der Nacht sicher seien. Kainrath erzählte auch von positiven Eindrücken vom Besuch in großen staatlichen Fahrzeugfabriken. „Das ist der weißrussische Schlüssel zum Erfolg. Wenn man das verändert, von diesem System abrückt und privatisiert, dann wird das Lebensniveau sinken“, warnte er.

Kainrath ist der zweite Österreicher innerhalb weniger Tage, der nach mutmaßlichen Manipulationen bei der Präsidentschaftswahl vom 9. August und massiver Polizeigewalt gegen Demonstranten vom Regime Alexander Lukaschenkos instrumentalisiert wurde. Bereits am 15. August hatte der niederösterreichische SPÖ-Politiker David Stockinger im weißrussischen Staatssender „ONT“ soziale Netzwerke und Kanäle im Messagerdienst Telegram als „eine der größten Bedrohungen für die Jugend“ bezeichnet und damit eine zentrale Botschaft von Lukaschenko-nahen Propagandisten wiederholt. Für seine Aussagen war Stockinger unter anderem vom außenpolitischen Sprecher der ÖVP, Reinhold Lopatka, kritisiert worden.

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