„Wir müssen alle hinschauen“ sagt Nicole Traxler von der „Alles Clara“-App. Diese hilft pflegenden Angehörigen bei Fragen. Oft blieb bisher aber unsichtbar, dass auch unter 18-Jährige ihre Freizeit für die Pflege opfern müssen.
Schnell kann aus einem ruhigen Nachmittag eine Notfallsituation entstehen: Der Vater, um die 90 Jahre alt, stürzt über die Treppe – er wird zum Pflegefall. Für die Familie stellen sich viele Fragen: Brauchen wir eine 24-Stunden-Pflege? Bekommen wir vom Land finanzielle Unterstützung? Antworten hat die App „Alles Clara“ parat. Über die App kann man mit professionellen Beratern oder Psychologen in Kontakt treten. Und die Idee von „Alles Clara“ wird angenommen: fast ein Drittel der Ratsuchenden kommt dabei aus Niederösterreich.
Frauen stemmen das Pflegesystem
Nicole Traxler hat die App in der Corona-Pandemie mit einem großen Team entwickelt, und weiß aus den Daten: „Eine Frau mittleren Alters ist die typische Pflegekraft zu Hause.“ Fast 70 Prozent aller Ratsuchenden bei „Alles Clara“ aus Niederösterreich sind Frauen. Die meisten von ihnen aus der Generation 50+, die sich um die Eltern kümmern. Das passiert, weil das Gesundheitssystem an allen Ecken und Enden überlastet ist – Familienmitgliedern bleibt oft nichts anderes übrig. Das Team von „Alles Clara“ möchte ihnen unter die Arme greifen.
„Young Carers“ vor den Vorhang
In NÖ, Burgenland und Vorarlberg ist die App kostenlos. „Wir wünschen uns, dass es eine Sozialdienstleistung für ganz Österreich wird“, sagt Traxler. Aktuell arbeitet das Team an einer App-Version für Unter-18-Jährige pflegende Angehörige: „Statistisch sitzt in jeder Schulklasse ein Kind, das seine chronisch erkrankten Eltern pflegt“, erzählt sie weiter.
Pflegende Angehörige sind immer noch stigmatisiert.
Nicole Traxler über die Idee für die App „Alles Clara“
Teilweise sind die Kinder die einzigen Angehörigen der Eltern und übernehmen deshalb die Pflege. Nicht nur die fehlenden Finanzen sind für die jungen Menschen eine Belastung, auch psychische Erkrankungen gehen oft mit der Pflege der Familienmitglieder einher. Noch in diesem Jahr soll die App für unter 18-Jährige freigegeben werden. Am allerwichtigsten dabei: die Jugendlichen psychologisch zu begleiten.
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