23.08.2020 06:00 |

Bidens „Running Mate“

„Superbulle“ Kamala Harris: Eine Frau gegen Trump

Als Tochter einer Inderin und eines Jamaikaners ist Kamala Harris in Kalifornien zur Welt gekommen. Als Vizepräsidentschaftskandidatin zieht sie jetzt an der Seite von Joe Biden als erste farbige Frau in die Schlacht um das Weiße Haus.

Es war keine leichte Entscheidung, die Joe Biden in den vergangenen Wochen und Monaten zu treffen gehabt hatte. Eine Entscheidung, die mit verantwortlich dafür sein wird, ob es ihm gelingen kann, Donald Trump bei der Wahl Anfang November aus dem Weißen Haus zu jagen und dort selbst als US-Präsident einzuziehen. Die Entscheidung, wer an seiner Seite in die „Schlacht um die Seele unserer Nation“ ziehen wird, wie er den Wahlkampf gegen Trump selbst einmal bezeichnet hat, wer sein „running mate“ sein wird, wie die Amerikaner sagen. Sein Vizepräsidentschaftskandidat.

Besser, seine Vizepräsidentschaftskandidatin. Denn dass es eine Frau sein werde, darauf hatte Biden sich schon früh festgelegt. Elf Kandidatinnen standen letztlich zur Wahl. Das Rennen machte schließlich Kamala Harris. Und seit dem Parteitag der Demokraten am vergangenen Mittwoch sind Joe Biden und Kamala Harris auch nominiert. Harris ist damit offiziell die erste farbige Frau, die als Vizepräsidentin ins Weiße Haus einziehen könnte. Und die erste schwarze Frau, die später selbst US-Präsidentin werden könnte.

Joe Biden wäre bei Amtsantritt 78 Jahre alt
Denn Joe Biden wäre – sollte er gewinnen – bei Amtsantritt im Jänner 2021 bereits 78 Jahre alt. Und er hat mehrfach angedeutet, nur für eine Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Er verstehe sich als „Brücke“ zu einer neuen Generation. Kamala Harris wäre dann die logische Nachfolgekandidatin. Aber das ist Zukunftsmusik. Zuerst muss sie das tun, wofür Biden sie ausgewählt hat: Sie muss an seiner Seite die Wahl gewinnen.

Dafür soll die 1964 in Kalifornien geborene Tochter einer aus Indien stammenden Krebsforscherin und eines aus Jamaika stammenden Wirtschaftsprofessors die Stimmen der Minderheiten bringen. Wobei auch Biden selbst bei den schwarzen Amerikanern sehr beliebt ist. Dennoch ist Kamala Harris auch eine Geste an die „Black lives matter“-Bewegung. Und damit auch an den linken Parteiflügel der Demokraten.

Dennoch steht Harris politisch in der Mitte. Da ist sie Biden sehr ähnlich. Das ist insofern wichtig, als es bei dieser Wahl für die Demokraten vor allem auch darum geht, Unabhängige für sich zu gewinnen und auch moderate Republikaner, die genug haben von Donald Trump. Mit einer Kandidatin aus dem linken Parteispektrum wäre das unmöglich.

Zitat Icon

Kamala Harris ist die Tochter von Einwanderern. Ihre Geschichte ist die Geschichte Amerikas.

Joe Biden über seinen "Running Mate"

Für Strengkonservative ist Kamala Harris freilich unwählbar, tritt sie doch etwa für das Recht auf Abtreibung ein, für strengere Waffengesetze, für die Gleichberechtigung sexueller Minderheiten, für die Legalisierung von Marihuana und gegen die Todesstrafe. Gleichzeitig bezeichnete die Juristin, die lange als Bezirks- und dann bis zu ihrer Wahl in den Senat im Jahr 2016 als Generalstaatsanwältin in Kalifornien tätig war, sich selbst gerne als „Superbulle“.

Zur Entspannung liest sie Kochbücher
Wenig Zeit wird Harris in den kommenden Monaten und vielleicht auch Jahren für ihr liebstes Hobby haben, das Kochen. „Ich liebe es, auf Märkte zu gehen, Kochbücher zu lesen und Menschen zu bekochen“, hat sie einmal in einem Interview gesagt. „Und Gott sei Dank liebt meine Familie es zu essen.“

Diese Familie besteht aus dem New Yorker Rechtsanwalt Douglas Emhoff und dessen beiden erwachsenen Töchtern. „Lass uns das machen“, sagte er, als die Nominierung seiner Frau öffentlich wurde. Und sie sagt über ihn: „Er ist lustig, er ist nett, er ist geduldig, er liebt meine Küche. Ein großartiger Typ.“

Christian Hauenstein, Kronen Zeitung

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