06.08.2020 15:03 |

Grazer als Vorreiter

Virtuelle Bühnen als neue Realität des Theaters

Wie kann Theater im digitalen Raum existieren? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit Corona eine ganze Szene. Das Grazer Planetenparty Prinzip hat die Bretter, die die Welt bedeuten, längst auch ins Internet verlegt und feiert Erfolge - ein Gespräch.

Nun sag, wie hast du’s mit dem Internet? Mit dieser Gretchenfrage müssen sich heimische Theater seit Corona mehr denn je beschäftigen: Weil der Vorhang unten bleiben musste, wurden Stücke kurzerhand ins Netz hochgeladen. Unzählige Mitschnitte wurden als Stream angeboten. Das Publikum war einerseits dankbar, andererseits aber auch schnell gesättigt.

Theater ist dort, wo der Alltag des Publikums ist
„Nichts kann das Live-Erlebnis im Theater ersetzen“, weiß auch Moritz Ostanek vom Planetenparty Prinzip. Dennoch arbeitet das Performancekollektiv aus Graz seit geraumer Zeit auch im virtuellen Raum: „Wir versuchen sehr zeitgemäß zu sein und unser Publikum dort abzuholen, wo es auch im Alltag ist“, sagt Victoria Fux. „Vom Dating bis zum Einkauf wird ja alles auch virtuell erledigt - warum also nicht auch das Theater in diese Welt bringen“, ergänzt Alexander Benke.

Neben klassischen Bühnenproduktionen bieten sie die Performance „Bitte spiel mich“ etwa auch als Online-Version an. Zuletzt haben sie das Stück „Hochbeet“ als digitale Premiere präsentiert: „Damit ein Stück im virtuellen Raum funktioniert, muss man auch dort nach dem Live-Gefühl suchen, das Theater so einzigartig macht“, sagt Victoria Fux.

Bei „Hochbeet“ etwa saß das Publikum zwar daheim vor dem Computer und beobachtete die Schauspieler, die live im Forum Stadtpark vor der Kamera standen, doch die Zuseher wurden zudem auch telefonisch kontaktiert und es gab einen Live-Chat.

Theater völlig neu denken
„Man muss Theater völlig neu denken, wenn man auf der virtuellen Bühne spielt“, erklärt Ostanek. „Die Arbeit ist viel filmischer, wir müssen das klassische Szenenspiel komplett adaptieren. Und es braucht ein technisches Know-how, das wir uns hart erarbeitet haben.“ Andererseits ergeben sich aber auch Möglichkeiten, die im klassischen Theaterraum nie möglich wären. „Weil das Publikum etwa in ,Hochbeet‘ ganz alleine vor dem Computer sitzt, können wir Einsamkeit auf eine Art thematisieren, wie sie im realen Bühnenraum nie möglich wäre“, sagt Fux.

Einsam ist das virtuelle Spiel mitunter auch für die Schauspieler: „Es fehlt ein wichtiger Teil, wenn am Ende kein Applaus kommt und Gespräche mit dem Publikum nicht möglich sind“, so Benke.

Vorteile der virtuellen Bühne
Dennoch hat die virtuelle Arbeit auch Vorteile: „Bei Online-Projekten loggen sich auch Menschen ein, die weit entfernt leben. Die würden wir mit klassischen Bühnenproduktionen nie erreichen“, so Ostanek. Und so will die Gruppe auch künftig den realen und den virtuellen Raum bespielen, denn: „Das Theater ist dort, wo das Publikum ist!“

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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