07.07.2020 21:08 |

Therapie statt Anstalt

Angeklagter: „Im Wahn war ich Gott oder Hitler!“

In Angst und Schrecken versetzt hat ein Computerspieler seine Nachbarn. Er schrie wild um sich und trommelte gegen Wände. Dann ging er auf Polizisten los. Die Staatsanwaltschaft forderte die Einweisung in eine Anstalt; die Geschworenen sahen davon jedoch ab. . .

Der 29-Jährige ist kein Angeklagter, sondern ein „Betroffener“. So nennt man vor Gericht Menschen, die wegen einer psychischen Erkrankung nicht schuldfähig sind. Wäre der Klagenfurter gesund, hätte er sich wegen NS-Wiederbetätigung, Körperverletzung, Drohungen und Widerstands vor Richterin Ute Lambauer verantworten müssen.

„Ich hatte Wahnvorstellungen“, berichtet er leise. „Auch wenn ich Computer gespielt habe, hat sich meine Welt verändert.“ Er hielt sich abwechselnd für Gott oder Hitler, bedrohte die Nachbarn, terrorisierte ein ganzes Haus. „Wir alle hatten Angst vor ihm“, schildert eine Frau. Eskaliert sei die Lage erst während des Corona-Lockdowns - vermutlich, weil da alle zu Hause waren und mitbekommen hatten, dass der 29-Jährige wild um sich schrie und gegen die Wände trommelte.

Als die Polizei alarmiert wurde, griff er nach der Dienstwaffe eines Beamten und biss auch. „Ich erinnere mich kaum“, sagt der Betroffene, weiß aber, dass es so nicht weiter gehen kann. Er muss behandelt werden. In einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher, fordert Staatsanwältin Bettina Dumpelnik.

Die Geschworenen sehen das anders: nur bedingte Einweisung, dafür strenge Auflagen für Medikation, Therapie und einen geregelten Tagesablauf mit Hilfe seiner Mutter.

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
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