05.07.2020 17:00 |

Eigener Gemüseanbau

Zurück zu den Wurzeln mit Gemeinschaftsgärten

Jede Mutter kennt die Horrorgeschichte des Schulkindes, das denkt, Kühe seien lila. Da heißt es schnellstens zurück zur Natur! Etwa mit Hilfe eines kleinen Gemeinschaftsgartens.

Kaum eine Gärtnerseele tummelt sich an einem verregneten Freitagmorgen auf dem Feld in Aldrans. Doch während bei grauen Wolken der Mensch ins Innere flüchtet, jubelt das Gemüse. Kartoffeln schlagen Wurzeln, Radieschen legen kräftig an Umfang zu und die ersten Gürkchen erblicken das Licht der Welt. Das alles und mehr passiert auf einer Fläche kleiner als ein Fußballfeld und nennt sich „Tiroler Gemeinschaftsgärten“.

40 Quadratmeter für Obst oder Gemüse
Für 150 Euro pro Saison, die von Mai bis Oktober dauert, kann man am Projekt teilhaben. Erkauft werden damit nicht nur 40 Quadratmeter – die Hälfte der Parzelle hat der Bauer bereits im Vorfeld mit verschiedenen Gemüsesorten bepflanzt. „Dadurch, dass er passende Maschinen besitzt, ist es kein Aufwand für ihn. Außerdem bekommt er die Bio-Pflanzen im Großhandel billiger“, erklärt Projektleiter Berthold Schwan.

Er rief die Tiroler Gemeinschaftsgärten 2015 ins Leben, um ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit zu setzen. „Viele reden und reden und reden – hier können sie wirklich etwas tun“, betont der Mittelsmann zwischen Bauer und Pächtern. Für ihn springt dabei finanziell nicht viel raus. Bei etwa 300 Parzellen – aufgeteilt auf Felder in Silz, Aldrans und Neu-Rum – ist der Verwaltungsaufwand enorm, 80 Prozent der Erlöse erhält der Bauer. Schwan sieht nach vielen Jahren in der Industrie einfach gerne die fröhlichen Gesichter der Gärtner.

Bio-Garten bringt Käfer und Unkraut mit sich
Ab der Übergabe ist jeder selbst für seine Parzelle zuständig. Manche können es kaum erwarten und wollen endlich ihre vorgetriebenen Pflanzen einsetzen – andere arbeiten zum ersten Mal mit Obst und Gemüse, sie probieren einfach aus. „Eine Dame hat etwa 100 Bohnen in eine Reihe gepflanzt – eigentlich haben da nur 20 Platz“, schmunzelt Schwan über die experimentierfreudigen Junggärtner.

Seine Parzelle sollte man mindestens einmal pro Woche aufsuchen – immerhin gibt es meist Unkraut zu jäten, welches das Gemüse am Wachsen hindern kann. Zudem machen Kartoffelkäfer, Wühlmäuse und Kohlfliegen Ärger, wie es auf einem Bio-Feld eben üblich ist.

Eigener Anbau wirkt wie kleine Gehirnwäsche
„Im Grunde sind die Leute fleißig“, lobt Schwan, während er an den Parzellen vorbeispaziert. Manche stellen kleine Schilder auf, andere unterstützen ihr Gemüse mit Stöcken beim Wachsen. Wer aber nur klassische Arbeiten verrichten möchte, findet alle Utensilien, wie etwa Gießkannen oder einen Schubkarren, in einem kleinen Schuppen nicht weit vom Feld. Auch ein Wasseranschluss ist vor Ort.

Schwan hat auf jedem Feld selbst eine Parzelle zu betreuen und gibt gerne Rat, der aber oft nicht gebraucht wird. Denn hauptsächlich ginge es den Leuten zwar um das frische Gemüse, viele würden aber auch das selbst angeeignete Know-How schätzen. „Da fragt man sich irgendwann, wie Petersilie im Geschäft so viel kosten kann, wenn sie eh wie Unkraut wächst“, nennt der Gärtner als Beispiel. Die Nachfrage nach einem eigenen kleinen Feld ist jedenfalls groß.

Zu Beginn der Saison sind immer alle Plätze vergeben, für nächstes Jahr ist bereits eine Warteliste angelegt. 2021 hat Schwan eventuell noch ein Feld in Hall in Aussicht. Plötzlich parkt doch ein Auto, eine Mutter steigt mit ihren beiden Knirpsen aus. Eifrige Gärtner, wie sich schnell zeigt – denn die Kleinen sind gekommen, um herauszufinden, wo eigentlich die leckeren Radieschen herkommen

Mirjana Mihajlovic
Mirjana Mihajlovic
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