29.06.2020 21:12 |

Arge Dissonanzen

Anti-Doping: Bizarrer Streit zwischen USA und WADA

Die Retourkutsche der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) auf die Drohung der USA, aus der Finanzierung der WADA auszusteigen, ist genauso beispiellos wie die Attacke aus Washington! „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die US-Regierung eine wichtige Rolle beim Schutz des sauberen Sports zu spielen hat“, schrieb WADA-Präsident Witold Banka in einem Brief. Dieser ist die Antwort auf einen Bericht des Büros für nationale Drogenkontrollpolitik des Weißen Hauses (ONDCP).

„Ich hoffe aufrichtig, dass wir in Zukunft zusammenarbeiten können, anstatt dass die WADA sich gegen unbegründete Angriffe verteidigen muss“, erklärte Banka. Das ONDCP hatte in dem Report die Struktur und Führung der WADA hart kritisiert und infrage gestellt, ob sie weiterhin mit jährlich 2,7 Millionen Dollar (2,39 Millionen Euro) unterstützt werden sollte. Der US-Betrag solle gekürzt oder gestrichen werden, wenn die WADA keine Reformen vornehme. Die ONDCP habe der WADA nur drei Tage bis zur Veröffentlichung des Berichts Zeit gegeben, Stellung zu beziehen - ohne dass diese dem Kongress auch mitübermittelt wurde. „Als wir dies in gutem Glauben taten, verzichteten Sie darauf, unsere Klarstellungen aufzunehmen“, schrieb Banka und betonte: „Wie das Sprichwort sagt: ‘Warum sollte die Wahrheit einer guten Geschichte im Wege stehen?‘“

Die Reformen der WADA in den vergangenen drei Jahren seien umfassend gewesen und hätten die Bereitschaft der Agentur zur Anpassung gezeigt. „Dennoch erwähnt der Bericht diese Fortschritte nicht“, kritisierte Banka. Für die WADA enthalte der Report „Ungenauigkeiten, Missverständnisse und Unwahrheiten, die zu unnötigen Missverständnissen führen“. Es sei sehr bedauerlich, dass der Bericht „mit der klaren Absicht verfasst wurde, die WADA zu diskreditieren“. So behaupten die USA, größter Beitragszahler (dies ist Kanada mit 2,861 Millionen Euro pro Jahr) und in den Gremien der Agentur unterrepräsentiert zu sein (kein anderes Land hat mehr als die elf US-Repräsentanten). Am Ende seines Briefes gibt WADA-Chef Banka den Amerikanern noch eine süffisante Empfehlung.

„Ein offensichtlicher Weg für die US-Regierung, mehr zum Kampf gegen Doping im Sport beizutragen, könnte in verstärkten Anstrengungen zum Schutz junger Amerikaner liegen, die Sport in einem Umfeld treiben, in dem die Regeln hinter denen der WADA zurückbleiben“, betonte der Pole. „Ich kann Ihnen versichern, dass die Agentur bei einem solchen Unterfangen gerne mit den USA zusammenarbeiten würde.“ Unterstützung findet der Bericht dagegen beim Chef der US-Anti-Doping-Agentur (USADA). „Ich denke, es ist eine vernichtende, aber zutreffende Anklage gegen die Führung der WADA und ihr Versagen in ihrer Rolle, sauberen Athleten zu dienen“, sagte Travis Tygart. „Hoffen wir, dass dies der letzte Weckruf an das IOC und die WADA ist, diese Probleme zu lösen, bevor es zu spät ist.“

krone Sport
krone Sport
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Donnerstag, 02. Juli 2020
Wetter Symbol

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.