21.06.2020 01:31 |

„Ehre meines Lebens“

Machtkampf mit Trump verloren: Berman tritt zurück

Nach einem Machtkampf mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump tritt der prominente New Yorker Staatsanwalt Geoffrey Berman mit sofortiger Wirkung nun doch zurück. Er werde die Leitung der Staatsanwaltschaft des südlichen Bezirks von New York geschäftsführend an seine Stellvertreterin Audrey Strauss abgeben, teilte Berman am Samstagabend mit. Berman - der auch gegen Mitarbeiter Trumps ermittelt hat - hatte sich zunächst geweigert, seinen Posten aufzugeben. 

Justizminister Bill Barr hatte am Freitagabend den Rücktritt des einflussreichen Bundesanwalts für Manhattan, der mehrere Ermittlungen in Trumps Umfeld leitete, erklärt. Berman, für den diese Erklärung ebenfalls überraschend gekommen war, erklärte daraufhin, er sei nicht zurückgetreten und habe auch nicht die Absicht, das zu tun. Einen Tag darauf trat er allerdings tatsächlich zurück - nachdem Trump Berman nach Angaben von Barr entlassen hatte. Es sei ihm „die Ehre seines Lebens“ gewesen, als Staatsanwalt in dem Bezirk arbeiten zu dürfen, sagte Berman.

Trump: „Ich bin nicht involviert“
In einem vom Sender CNN im Wortlaut veröffentlichten und auch von US-Medien übereinstimmend zitierten Schreiben Barrs an Berman vom Samstag hieß es: „Da Sie erklärt haben, dass Sie nicht die Absicht haben, zurückzutreten, habe ich den Präsidenten gebeten, Sie ab dem heutigen Tag abzusetzen, und das hat er getan.“ Trump bestätigte allerdings zunächst nicht, dass er Berman entlassen habe. Der Präsident sagte vor seiner Abreise zu einer Kundgebung nach Tulsa am Samstagnachmittag Ortszeit, der Konflikt mit Berman sei eine Angelegenheit Barrs. „Das ist seine Abteilung, nicht meine Abteilung“, sagte Trump. „Ich bin nicht involviert.“

Berman leitete Ermittlungen gegen Epstein
Der Bundesanwalt für Manhattan gilt allgemein als einer der mächtigsten Staatsanwälte der USA. Berman hatte unter anderem die Ermittlungen gegen Trumps früheren Anwalt Michael Cohen geleitet, der wegen Meineids im Kongress zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Außerdem führte er die Ermittlungen in der Missbrauchs-Affäre um den inzwischen verstorbenen Jeffrey Epstein, mit dem Trump bekannt war. 

Warum es jetzt zu der Konfrontation zwischen der Regierung und Berman kam, blieb zunächst unklar. Die oppositionellen Demokraten reagierten bereits bei der ersten Bekanntgabe von Bermans Rücktritt mit Fassungslosigkeit. Kritiker werfen Justizminister Barr vor, sein Ministerium zunehmend zu politisieren und als Schutzschild für den Präsidenten zu missbrauchen.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).