19.05.2020 13:15 |

Von Stress bis Sorgen

Die „Corona-Matura“: Prüfungen fürs Leben

Kein „richtiger“ letzter Schultag, keine Abschlussfeier oder mündliche Prüfungen. Die „verschlankte Matura 2020“ fordert dennoch viel von den Absolventen - und lehrt tatsächlich für das Leben danach.

Leer liegt der Park zwischen dem alten und neuen Schulgebäude auf dem Ferrari-Gelände in Innsbruck. Wo ansonsten zahlreiche Schülerinnen lachen und lernen, hüpft eine Amsel einsam übers Gras. Die Schultüren begrüßen mit Anweisungen: Abstand halten, auf den Gängen Masken tragen, Hände desinfizieren – der Ausnahmezustand wird zum Alltag.

Viel wurde überlegt, geplant und diskutiert, um den Maturantinnen auch in der Krisenzeit einen Abschluss zu ermöglichen. Nun ist es tatsächlich bald soweit, am Montag beginnen die Prüfungen. Abgenommen werden sie aber nur schriftlich in drei Prüfungsgebieten. Wer will, darf mündlich freiwillig maturieren.

„Geschenkt“ wird diese Matura dennoch nicht
In der Lerngruppe, die sich in der Ferrari gerade durch Englisch-Aufgaben boxt, macht das aber niemand. Zu tun habe man trotzdem genug. Denn auch wenn das mancherorts vielleicht gemutmaßt wurde – „geschenkt“ bekomme man die Matura auch in Corona-Zeiten nicht, betonen die Absolventinnen.

„Wir müssen viel eigenständiger arbeiten“, sagen die Schülerinnen. Die jungen Erwachsenen maturieren heuer eben nicht nur in Mathe, Englisch, Deutsch und Co., sondern vor allem „in Fächern für’s Leben“. Mehr denn je müssen sie sich aufgrund der besonderen Situation in Sachen Flexibilität, Disziplin, Selbstständigkeit und Zeitmanagement beweisen.

Denn auch wenn sich die Lehrpersonen bemühten, bis ins Wohnzimmer zu unterrichten, lag es doch bei den Maturantinnen selbst, sich vorzubereiten, schildern sie.

Zwischen Lernstress und vielen Corona-Sorgen
„Lange haben wir gar nicht gewusst, was wir lernen sollen, da nicht klar war, wie die Matura aussehen wird“, sagt etwa Magdalena Scheiber. „Aber lernen mussten wir ja trotzdem“, wirft Denise Kirchmair ein - „und das alleine.“ Zudem sei auch die Ablenkung groß gewesen - die Welt im Ausnahmezustand steht auch im Maturajahr im Vordergrund: „Man hat sich ja auch Sorgen um die Großeltern und die ganze Situation gemacht“, betont Scheiber.

Die diesjährige Matura wird anders beurteilt: 50 Prozent der Note machen die Maturaprüfungen aus, die anderen 50 Prozent ergeben sich durch die erbrachten Leistungen im Schuljahr. „Das ist grundsätzlich besser so“, sagt Anna Abenthung, „denn man kann ja auch einmal einen schlechten Tag haben und deshalb schlechter abschneiden, als normal.“ Die Situation wäre eine Chance, dieses System auch weiterhin beizubehalten, sagt Abenthung.

Eine Woche haben sie nun noch, um sich vorzubereiten. Das Erlernte werden sie mitnehmen; in ein Studium, einen Beruf, das Leben – und im besten Fall auf eine Maturareise, so der große Wunsch.

Weniger Prüfungen, aber mehr Disziplin
Erfahrung durch die Schweinegrippe, mit dem Meterstab durch die Schule und Persönlichkeitsbildung: Direktor Manfred Jordan erzählt von den Corona-Herausforderungen einer Schule.

„Krone“:Herr Jordan, wie hat man sich auf den neuen Schulalltag vorbereitet?
Jordan: Wir mussten die Klassenstrukturen aufweichen, Tische entfernen, die Abstände mit dem Meterstab genauestens ausmessen und die Desinfektionsketten schaffen. Hier hatten wir einen Vorteil, weil wir viel davon schon im Jänner für die Grippe besorgt hatten. Was die Hygiene betrifft waren wir auch durch die Schweinegrippe geübt.

Seit 4. Mai sind wieder Schülerinnen vor Ort, um sich auf die Matura vorzubereiten. Wie funktioniert das?
Alle der 200 Maturantinnen wissen im Vorfeld, wo sie hin müssen - so kommt sich niemand in die Quere.

Information ist dieser Tage also alles?
Ja, genau. Wir haben von der Anreise bis zum Unterricht alles klar geregelt. Die Kommunikation zwischen Lehrern, Schülern und Eltern war eines vom Wichtigsten. Hier muss ich auch die Checklisten des Ministeriums loben, die haben uns sehr geholfen.

Wie sehen Sie die heurige Matura?
Ich bin froh, dass sie stattfindet. Der Aufwand ist aber für Lehrer und Schüler intensiver. Die Schüler mussten viel selbst erarbeiten und mit Unsicherheiten umgehen. Die Prüfungsanzahl ist zwar geringer, aber die eigene Leistungsnotwendigkeit höher. Hier passiert gerade sehr viel an Persönlichkeitsbildung.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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