06.05.2020 19:10 |

Hunderte im Einsatz

Contact Tracing: Suche nach den Infektionsketten

Das Leben in Österreich soll sich nach scharfen Gegenmaßnahmen im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie wieder zunehmend normalisieren. Die Zahl der aktiv Erkrankten ist am Mittwoch auf unter 1500 zurückgegangen. Die Bedeutung der Rückverfolgung - das sogenannte Contact Tracing - von Ansteckungen mit dem Coronavirus, um ein neuerliches Aufflackern der Covid-19-Erkrankungen zu verhindern, ist enorm. Hunderte Behördenmitarbeiter, Ärzte, aber auch Polizisten stehen dabei im Einsatz.

Ziel der Methode ist es, möglichst jede angesteckte Person zu finden, um die Übertragung auf andere Menschen zu verhindern. In Österreich nimmt die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), die das Epidemiologischen Meldesystem (EMS) verwaltet, dabei eine bedeutende Rolle ein. Je nach Bundesland wird das Contact Tracing von unterschiedlich vielen Mitarbeitern abgewickelt.

  • In Wien sind derzeit 170 Mitarbeiter mit der Rückverfolgung von Kontakten von positiv auf das Coronavirus getesteten Personen beschäftigt. Die Zahl könne im Bedarfsfall weiter aufgestockt werden, teilte das Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) mit. Durchgeführt wird das Contact Tracing vorrangig durch Beschäftigte im Gesundheitsdienst (MA 15) bzw. in der Landessanitätsdirektion, aber auch andere Magistratsabteilungen würden unterstützen, hieß es. Unterstützung durch die Polizei werde derzeit nicht benötigt.
    Erste Daten werden bereits eingeholt, wenn eine Person nach einem Anruf bei der Hotline 1450 als Corona-Verdachtsfall eingestuft wird. Fällt das Testergebnis tatsächlich positiv aus, werde der oder die Erkrankte innerhalb von 24 Stunden isoliert und relevante Kontaktpersonen binnen der darauffolgenden 24 Stunden ausfindig gemacht, um wiederum deren Aufenthaltsorte zu recherchieren. Sämtliche Informationen werden anschließend ins elektronische Epidemiologische Meldesystem (EMS) des Bundes eingespeist.
  • In Tirol kommen rund 500 Mitarbeiter der Behörden für das Contact Tracing zum Einsatz. Bei Bedarf werden sie auch von Polizeibeamten unterstützt, teilte das Land mit. Aufgrund der aktuell niedrigen Zahl an Neuinfektionen finde man derzeit mit den personellen Ressourcen der Gesundheitsbehörden und amtsinterner Hilfskräfte aber das Auslangen.
  • In Oberösterreich läuft das Contact Tracing über die Bezirksverwaltungsbehörden, fünf - bei Bedarf auch mehr - der 20 bis 30 Mitarbeiter der Einsatzstäbe sind jeweils dafür abgestellt, hieß es aus dem Krisenstab des Landes. Zwei Behörden haben bisher die angebotene Unterstützung der Polizei angenommen und berichten von einer sehr guten Zusammenarbeit.
  • In Salzburg führen das Contact Tracing rund 40 Ärzte und Mitarbeiter der Gesundheitsämter durch, und zwar mit Befragungen und Erhebungsformularen. Unterstützt werden sie dabei auch von Epidemieärzten, die Polizei kam in Salzburg bisher dabei nicht zum Einsatz. Größter Wert wird darauf gelegt, die Vorgaben des Bundes („24-24-24-Stunden“) in allen Bezirken einzuhalten. Das heißt, innerhalb von 24 Stunden sollte der oder die Erkrankte isoliert sein, in weiteren 24 Stunden sind seine Kontaktpersonen zu erheben und nochmals innerhalb von 24 Stunden dann auch diese „abzusondern“.

Labors füttern seit 2014 das EMS
Das EMS ist die gemeinsame Datenbank der Bezirksverwaltungsbehörden, Landessanitätsdirektionen, des Gesundheitsministeriums sowie der AGES. Es dient dazu, Erhebungen über das Auftreten anzeigepflichtiger Krankheiten durchzuführen. Seit 2014 müssen Labors die Ergebnisse von Untersuchungen zu meldepflichtigen Erkrankungen elektronisch ins EMS melden. Ärzte melden diese etwa über das e-Card-Netz.

Übertragungsketten identifizieren
Aufgabe der AGES ist es auch, durch epidemiologische Abklärungen jedes Ausbruchs - wie etwa bei Covid-19 - Quellen der Infektion bzw. Übertragungsketten der Fälle zu identifizieren. Dabei gilt es, den Erkrankungsbeginn der laborbestätigten Fälle auf einen Tag, der infektionsepidemiologisch am wahrscheinlichsten ist, einzuengen, sowie auch epidemiologische Zusammenhänge zwischen den Fällen zu identifizieren.

Contact Tracing mittels Corona-App
Zudem soll die Corona-App punkto Contact Tracing eine zunehmend große Rolle spielen. Davon geht jedenfalls die hochrangige Kanzler-Beraterin Antonella Mei-Pochtler aus. „Das wird Teil der neuen Normalität sein. Jeder wird eine App haben“, sagte sie im Gespräch mit der „Financial Times“.

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