19.04.2020 16:21 |

Mit 97 gestorben

Politik trauert um Wehrmachtsdeserteur Wadani

Der Wehrmachtsdeserteur Richard Wadani, der sich bis zuletzt für Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz eingesetzt hat, ist in der Nacht auf Sonntag im Alter von 97 Jahren gestorben. Sowohl Wegbegleiter als auch Politiker zeigten sich tief betroffen über das Ableben Wadanis. „Mit seinem Tod verliert unser Land einen großen Österreicher“, sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

„Er hat die Republik verändert“, sagte Thomas Geldmacher, Obmann des Personenkomitees Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz, bei dem Wadani sowohl Gründungsmitglied als auch Ehrenobmann war. „Seinem unermüdlichen jahrzehntelangen Einsatz haben wir es zu verdanken, dass die Deserteure der Wehrmacht und alle anderen Opfer der NS-Militärjustiz heute juristisch rehabilitiert sind, und ohne ihn stünde heute mit großer Sicherheit kein Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz auf dem Ballhausplatz“, zeigte sich der Obmann dankbar.

Geboren wurde Wadani am 11. Oktober 1922 in Prag. Ende 1938 musste die Familie nach Wien auswandern. Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs meldete sich Wadani freiwillig zur Luftwaffe mit der festen Absicht, mit der Zivilbevölkerung und dem bewaffneten Widerstand in den besetzten Ländern zu kooperieren. 1944 gelang es Wadani, in der Nähe von Aachen zu den alliierten Streitkräften überzulaufen.

Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am Ballhausplatz
Anfang 1946 kehrte Richard Wadani nach Wien zurück, wo er in KPÖ-nahen Institutionen und als Volleyballtrainer arbeitete. 1968 kehrte er der KPÖ den Rücken. 2002 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Personenkomitees. 2005 beschloss der österreichische Nationalrat das Anerkennungsgesetz, mit dem Deserteure anspruchsberechtigt im Sinne der Opferfürsorge wurden. 2009 erfolgte mit dem Beschluss des Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz die pauschale Rehabilitierung aller Opfer der NS-Militärjustiz. Im Oktober 2014 eröffneten der damalige Bundespräsident Heinz Fischer und der damalige Wiener Bürgermeister Michael Häupl das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am Wiener Ballhausplatz.

Politik zeigt sich tief betroffen
„Ich werde, wenn ich in die Hofburg fahre und auf das Denkmal schaue, an Richard Wadani denken“, versprach Van der Bellen am Sonntag als Reaktion auf dessen Tod. Auch Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) würdigte Wadani als großen Kämpfer für Gerechtigkeit und als aufrechten Antifaschisten. Wiens Vizebürgermeisterin Birgit Hebein bezeichnete ihn als „Freund und Lehrer“.

Tief betroffen zeigte sich auch die SPÖ. „Er war maßgeblich daran beteiligt, dass alle Opfer der NS-Militärjustiz rehabilitiert wurden“, teilte Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch mit. „Richard Wadani war ein Mensch, der stets Haltung bewiesen hat“, stellte auch die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures fest. Wadani hinterlässt eine Frau und einen Sohn.

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