10.04.2020 12:30 |

„Lohndumping“

Firma wegen Vermittlung von Erntehelfern in Kritik

Die Firma Immoservice24, die in der Coronakrise vom Arbeitskräfteüberlasser im Tourismus auf Tiroler Erntehelfer umgesattelt hat, ist von Arbeiterkammer (AK), Gewerkschaftsbund (ÖGB) und der Landarbeiterkammer wegen angeblichen Verstößen gegen das Arbeitsrecht kritisiert worden. Die Vertragskonstrukte führen laut ÖGB zu „Lohn- und Sozialdumping“.

Immoservice24 vermittelt die Erntehelfer an die Tiroler Bauern, die über fehlende Arbeitskräfte aus dem Ausland klagten. Die Arbeiter werden von Immoservice24 an die Bauern auf Werkvertragsbasis vermittelt. Die Bauern zahlen pro Person und 7,5-Stunden-Arbeitstag pauschal 120 Euro netto für die Vermittlung. Immoservice24-Geschäftsführer Patrick Steffens wiederum stellt die Erntehelfer auf Basis des „Rahmenkollektivvertrages für Angestellte im Gewerbe und Handwerk und in der Dienstleistung an“, hieß es in einem Bericht des „Standard“. Für Arbeitskräfteüberlasser gelte aber ein besserer Kollektivvertrag (KV) - es würde sich aber für Steffens laut eigenen Angaben nicht rechnen, die Anstellung nach diesem KV vorzunehmen.

„Aus Krise und Not Geld machen“
Dies wiederum rief die Kritik hervor. Thomas Radner von der Arbeiterkammer meinte, dass Erntehelfer nicht als Angestellte anzusehen seien, sondern als „klassische Arbeiter“. Der Angestellten-KV dürfe also nicht angewandt werden. Außerdem handle es sich um eine „klassische Überlassung“. Bernhard Höfler, Sekretär der Gewerkschaft Pro-GE Tirol und AK-Vorstandsmitglied sagte gar: „Das ist klares Lohn- und Sozialdumping. Es ist ein Skandal, wenn man aus dieser Krise und der Not auch noch Geld machen will“. Höfler bewertete die von Immoservice24 gewählte Vertragskonstruktion als gesetzlich verbotene Leiharbeit auf Werkvertragsbasis, die dem Arbeitskräfteüberlassungsgesetz widerspreche.

„Fall für die Finanzpolizei“
Ebenso nicht einverstanden mit der Vorgangsweise zeigte sich Günter Mösl, Präsident der Landarbeiterkammer. Seiner Ansicht nach sei das „ein Fall für die Finanzpolizei“. Es würde sich nicht rechnen, wenn Steffens seine Dienstnehmer nach den gesetzlichen Vorgaben entlohnen würde, meinte auch er. Steffens gab an, dass er dieses Konstrukt „in enger Zusammenarbeit“ mit der Wirtschaftskammer Tirol erarbeitet hatte. Diese will davon aber nichts wissen und meinte, dass man Immoservice24 als „eines von zigtausenden Unternehmen“ beraten habe, eine enge Zusammenarbeit sei das nicht gewesen.

„Schwarz“ Zahlungen zugesagt?
Indes berichteten drei angeheuerte Erntehelfer dem „Standard“, dass ihnen nur eine geringfügige Beschäftigung angeboten wurde. Steffens habe ihnen zugesagt, den Rest „schwarz“ auszuzahlen, wenn mehr gearbeitet würde. Dazu meinte der Geschäftsführer, dass man die Dienstverträge geändert habe. Eine wöchentliche Auszahlung sei außerdem im Sinne der Dienstnehmer, weil sie schneller zu Geld kämen.

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