10.04.2020 10:41 |

Nur für Einheimische?

Münchner Oktoberfest: Wegen Corona droht Absage

Das Oktoberfest in München lockt jedes Jahr mehr als sieben Millionen Besucher aus der ganzen Welt in die bayrische Landeshauptstadt. In Zeiten von Corona ist das eigentlich undenkbar und deshalb steht die Abhaltung des größten Volksfests der Welt in diesem Jahr auch auf der Kippe. Der deutsche Virologe Alexander Kekulé hält es gar für „ausgeschlossen“, dass die Wiesn am 19. September eröffnet wird.

Planmäßig sollte das Oktoberfest von 19. September bis 4. Oktober stattfinden. Doch damit der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter den weltberühmten Bierfassanstich im Schottenhammel-Festzelt durchführen kann, bedarf es davor eines monatelangen Aufbaus. 

Entscheidung müsste bis Anfang Juni fallen
Deshalb müsse laut Reiter eine Entscheidung für oder gegen die Wiesn „spätestens Ende Mai, Anfang Juni“ fallen. Die Wirte nehmen seit einiger Zeit Reservierungsanfragen aus der ganzen Welt entgegen und auch das Wiesn-Bier müsste schon bald gebraut werden. In Österreich erklärte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Donnerstag, dass es „jedenfalls bis einschließlich Ende Juni keine Veranstaltungen geben wird, wahrscheinlich auch im Sommer nicht“.

Möglichkeit: Eine Wiesn nur für Einheimische
Doch eine Absage ist nicht die einzige Möglichkeit, die gerade diskutiert wird. In der deutschen „Bild“ hält der Chef der Schausteller, Edmund Radlinger, eine „Münchner Wiesn“ für möglich, bei der nur regionale Gäste erlaubt wären. Das hält auch der Virologe Kekulé zumindest für vorstellbar. Dabei gelte es jedoch zu prüfen, ob sich der Aufbau der großen Festzelte überhaupt rechne, wenn drei Viertel der zu erwartenden Gäste ausblieben.

Die Stadt soll dieser Idee jedoch äußerst kritisch gegenüberstehen. Die Fraktionschefin der Grünen im Rathaus hält in der „Bild“ eine Wiesn für unwahrscheinlich: „Ob im Jahr 2020 überhaupt noch Großveranstaltungen stattfinden können, und dann noch in einer Dimension wie bei der Wiesn, das halte ich für sehr fraglich.“

Das jährliche Phänomen der „Wiesn-Grippe“
Ein gewichtiges Argument gegen eine Abhaltung des Oktoberfests ist auch die sogenannte Wiesn-Grippe. Spätestens ab der zweiten Woche behandeln Münchens Ärzte immer mehr Patienten mit Erkältungssymptomen. Die Erklärung der Stadt dazu lautet, dass die Besucher „neben Vorfreude und Durst auch ein paar Viren mit auf die Theresienwiese bringen“. Während einer globalen Corona-Pandemie klingt die Vorstellung einer Großveranstaltung mit Millionen von Besuchern ohnehin wie reine Utopie.

Das Oktoberfest als bedeutender Wirtschaftsfaktor
Um die wirtschaftliche Bedeutung der Wiesn zu verstehen, genügen ein paar Zahlen: Mehr als sieben Millionen Besucher trinken in etwa 7,5 Millionen Maß Bier. Vor zwei Jahren generierte das Oktoberfest inklusive Übernachtungen einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro. Von den 17 Großzelten kennt man keine genauen Zahlen, jedoch gehen Analysten davon aus, dass ein einziges Zelt in drei Wochen Festbetrieb mehr als drei Millionen Euro Umsatz generiert. Eine komplette Absage würde die bayrische Wirtschaft also besonders hart treffen.

Das Oktoberfest wurde bereits wegen Krankheiten abgesagt
In der 210-jährigen Geschichte der Wiesn gab es auch schon kleinere Feste und auch immer wieder vollständige Absagen. Oft waren Kriege der Grund für Absagen, wie natürlich auch während der Zeit der beiden Weltkriege. Jedoch führten auch Krankheitsausbrüche schon dazu, dass die Wiesn nicht stattfinden konnte. Erstmals war das 1854 der Fall, als die Cholera in München besonders stark wütete.

Martin Grob
Martin Grob
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