Alltag in Italien

Pflegerin: „Nicht einmal Zeit, aufs WC zu gehen“

Ausland
31.03.2020 06:00

Italien ist mit fast 100.000 Infektionen und mehr als 10.000 Todesfällen das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Land Europas. Das dortige Pflegepersonal schildert seinen Virus-Alltag.

Zwölf-Stunden-Schichten mit ersticktem Atem unter den Masken sind seit Wochen der Alltag für Pfleger und Schwestern in Italien. „Zwölf Stunden ohne zu trinken, um nicht aufs WC zu müssen, weil es zu lange dauern würde, sich auszuziehen, zu desinfizieren und anzuziehen“, so Schwester Galina Onisin.

(Bild: AP)

„Angehörige bitte uns, ihre Lieben zu streicheln“
„Um nicht in Trauer zu versinken, nennen wir die schweren Fälle nicht beim Namen, sondern nach ihrem Geburtsjahr. Heute starb 1992“, berichtet Intensivschwester Serena Perez: „Angehörige bitten uns, ihre Lieben zu streicheln, weil sie sie nicht besuchen dürfen. Es ist furchtbar.“

Polnische Ärzte wollen in Italien helfen und Erfahrung sammeln
Aus Polen sind mittlerweile 15 Ärzte nach Italien gereist, wo sie im Kampf gegen das Coronavirus helfen und zugleich Erfahrung sammeln sollen. „Das Ziel der Mission ist es, den italienischen Ärzten zu helfen, ihnen Ruhepausen zu verschaffen“, erklärte am Montag die Nothilfe-Organisation PCPM. „Zugleich wollen wir natürlich Erfahrung sammeln für den Fall, dass wir sie in Polen brauchen.“ 

Italien denkt über Schritte Richtung Normalität nach
Angesichts von Hoffnungen auf eine Stabilisierung bei den Corona-Neuinfektionen hat in Italien unterdessen eine Debatte über Wege zur Lockerung der Beschränkungen begonnen. Gleichzeitig warnten Experten, eine Rückkehr zur Normalität werde nur in kleinen Schritten erfolgen. „Es gibt zwar noch keine Signale eines Rückgangs, doch es geht besser“, sagte der Präsident des nationalen Gesundheitsinstitutes ISS, Silvio Brusaferro, der Zeitung „La Repubblica“ vom Montag.

Soldaten und Carabinieri in Nerola, rund 50 Kilometer nördlich von Rom (Bild: AP)
Soldaten und Carabinieri in Nerola, rund 50 Kilometer nördlich von Rom

„Wir warten bis Ostern und werden dann die Zahlen prüfen, um weitere Schritte zu unternehmen“, beschrieb er den möglichen Zeitrahmen. In Italien gelten bis Freitag strenge Ausgangsverbote mit wenigen Ausnahmen. Es wird erwartet, dass die Regierung sie verlängert.

Kronen Zeitung/krone.at

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