23.03.2020 07:12 |

Brisante Details

Chronologie: Corona-Krimi jetzt auch im Zillertal

Am Samstag informierte das Land Tirol erstmals offiziell über Infizierte im Zillertal. Recherchen der „Krone“ zeigen jedoch, dass es schon früher Verdachtsfälle gab. Wurde hier etwas vertuscht? Und vor allem: Was wusste Nationalrat und Hotelier Franz Hörl (ÖVP)?

Mehr als 30 positive Corona-Fälle gibt es im Zillertal, das teilte das Land Tirol am Samstagabend mit. „Doch bereits seit Wochen sind Fälle bei uns bekannt, niemand hat bisher etwas dagegen unternommen“, betonen Einheimische. Die „Tiroler Krone“ hat sich diese Fälle genau angesehen:

  • Anfang März: Eine Gondelbahn und eine Arztpraxis werden in Gerlos für Stunden wegen eines Corona-Verdachtsfalles gesperrt. Es soll dazu aufgefordert worden sein, das nicht an die „große Glocke“ zu hängen.
  • 3.3.2020: In einem Lokal in Mayrhofen wird ein DJ eingestellt, der kurz zuvor in Ischgl tätig war. Mittlerweile soll er positiv auf das Virus getestet worden sein.
  • 10.3.2020: Der „Dieburger Anzeiger“ teilt auf seiner Facebook-Seite mit, „dass sich eine Person aus dem Landkreis beim Urlaub im Zillertal angesteckt hat“.
  • 11.3.2020: Die „Schleswig-Holsteinische Landeszeitung“ informiert, dass „sich ein Schüler, der von einer Klassenfahrt im Zillertal zurückgekehrt war, mit dem Coronavirus infiziert hat“. Einen Tag später konfrontiert die „Krone“ das Land Tirol damit. Zu diesem Zeitpunkt heißt es jedoch noch: „Uns sind derzeit keine Fälle aus dem Zillertal bekannt. Sollte der Bericht wahr sein, hätten sich die deutschen Behörden mit uns in Verbindung gesetzt.“
  • 11.3.2020: Der Niederländer Robin (27) erzählt in einem Interview bei „rtl nieuws“ - das am 17.3.2020 publiziert wird -, dass er um den 11.3. seinen Skiurlaub in Mayrhofen verbracht hat. Mit Fieber und Husten kontaktierte er einen Arzt. „Dieser sagte, ich sei jung und fit und hätte eine Grippe, aber nicht Corona“, schildert Robin. Er reiste ab, zu Hause wurde er positiv getestet.
  • 15.3.2020: Erste Gerüchte eines positiven Falles in Zell am Ziller kommen auf. Auch Testungen soll es an diesem Tag gegeben haben. Drei Tage später informiert der Ortschef: „Heute wurde die erste positive Infektion in unserem Ort bekannt.“
  • Mitte März: Ein Angestellter jener Bar in Mayrhofen, die am 3.3.2020 einen neuen DJ eingestellt hatte, wird im Spital Schwaz positiv auf Corona getestet.
  • 17.3.2020: Ein Mitarbeiter eines Hotels in Mayrhofen teilt auf Facebook mit, dass er sich mit dem Virus angesteckt hat. Am selben Tag informieren die Inhaber via E-Mail all jene Gäste, die vom 7.3. bis 14.3. bei ihnen zu Gast waren.
  • 18.3.2020: Ein Angestellter eines Lokals in Mayrhofen postet: „Ich habe mich angesteckt.“ Im Interview gibt er Details preis - siehe unten. Die Bürgermeisterin informiert zudem über zwei positive Fälle im Ort.
  • 19.3.2020: Ein Mayrhofner Hotelier schreibt auf Facebook, dass Mitglieder einer belgischen Gruppe, die kurz zuvor im Hotel waren, am Virus erkrankt seien.
  • 21.3.2020: Eine Mitarbeiterin einer Bar in Mayrhofen informiert über ihre Coronavirus-Erkrankung.

Nun offiziell: Betroffene Mitarbeiter in Gerlos
Während im Skiort Ischgl am 7. März der erste Corona-Fall bekannt wurde und es wenige Tage darauf zur Quarantäne des Paznauntals kam, hat man im Zillertal erst am 19. März, mit der totalen Isolation aller 279 Tiroler Gemeinden, offiziell gehandelt. Der Aufruf vom Land erfolgte wiederum erst zwei Tage später. Es liegt somit nahe, dass sich in diesem Zeitraum zahlreiche andere Personen angesteckt haben.

Interessant im Aufruf ist auch diese Passage: „Zudem waren in Gerlos Mitarbeiter von der ,Milchbar’ und dem Hotel ,Gaspingerhof’ betroffen.“ Letztgenanntes gehört dem Nationalratsabgeordneten Franz Hörl (ÖVP). Inoffiziell bekannt war das Anfang März, kommuniziert wurde es erst am Samstag. Haben die Behörden nun zu spät reagiert oder nicht?

Interview: „Es erinnerte mich an einen Zombie-Film“
Charles Rowland war in einem Après-Ski-Lokal in Mayrhofen tätig. Er wurde - wie drei Arbeitskollegen - positiv getestet. Im „Krone“-Interview erzählt er, wie es ihm ergangen ist.

Wann traten bei Ihnen die ersten Symptome auf?
Am Donnerstag, dem 12. März, fühlte ich mich erstmals nicht richtig wohl. Da es nicht besser wurde, habe ich am Sonntag bei 1450 angerufen und wurde am Montag ins Spital Kufstein geschickt, wo sie mich getestet haben. Es erinnerte mich an einen Zombie-Film. Überall waren Securitys, die Ärzte trugen Schutzausrüstung. Es war völlig surreal.

Wann haben Sie Ihr Testergebnis erhalten?
Am Mittwoch, dem 18. März, rief die Polizei an und teilte mir mit, dass ich am Coronavirus erkrankt bin und mich in Quarantäne begeben muss. Auch die BH Schwaz meldete sich.

Haben Sie jemals Medikamente erhalten?
Nein, ich habe aber auch nicht wirklich welche benötigt. Das hängt wohl damit zusammen, dass ich jung, fit und sehr sportlich bin.

Wie fühlen sich Ihre drei Arbeitskollegen?
Auch sie wurden positiv auf das Virus getestet, aber es geht ihnen relativ gut. Wir wohnen zusammen in Mayrhofen, sind also nach wie vor hier. Daher fällt uns die mindestens 14-tägige Isolation „zu Hause“ nicht sonderlich schwer.

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner
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