18.03.2020 21:45 |

Beispielloser Auftritt

Merkels Corona-Appell im TV: Es kommt auf jeden an

In einer bisher beispiellosen Fernsehansprache hat Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel am Mittwochabend angesichts der Corona-Pandemie an Vernunft und Disziplin der Bürger appelliert, um die Gefahr bewältigen zu können. Jeder und jede Einzelne müsse sich jetzt an die Regeln halten, betonte sie. Merkel sieht in der Bekämpfung des neuartigen Coronavirus eine Aufgabe von historischem Ausmaß. „Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt.“

Es ist ein in ihrer Amtszeit bisher einmaliger Auftritt: zur Hauptsendezeit im Fernsehen. So etwas gibt es normalerweise nur zum Start ins neue Jahr - das zeigt, wie ernst die deutsche Kanzlerin die Krise nimmt. Die Ansprache - Merkel sitzt neben der schwarz-rot-goldenen deutschen und der Europaflagge, im Hintergrund der Bundestag - ist umso bemerkenswerter, als die Kanzlerin eben nicht auf diesem Wege das von vielen erwartete Ausgangsverbot verkündet. Vielmehr erläutert Merkel „nur“ die bisherigen Maßnahmen von Bund und Ländern. Doch wie sie es tut, ist außergewöhnlich.

„Einschränkungen, wie es sie noch nie gab"
„Unsere Vorstellung von Normalität, von öffentlichem Leben, von sozialem Miteinander - all das wird auf die Probe gestellt wie nie zuvor.“ Das Coronavirus verändere das Leben in Deutschland dramatisch, so Merkel. Sie wisse, wie hart die Schließungen etwa von Veranstaltungsräumen, Schulen, Kindergärten und Spielplätzen sei. „Es sind Einschränkungen, wie es sie in der Bundesrepublik noch nie gab.“

Dennoch müssten die Vorschriften befolgt werden, betonte Merkel. „Ich appelliere an Sie: Halten Sie sich an die Regeln, die nun für die nächste Zeit gelten. Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch, was womöglich noch nötig ist.“

„Alle zählen, es braucht unser aller Anstrengung“
Das „Dringendste“ sei ihr an diesem Abend die Botschaft, dass alle staatlichen Maßnahmen ins Leere gehen würden, „wenn wir nicht das wirksamste Mittel gegen die zu schnelle Ausbreitung des Virus einsetzen würden: Und das sind wir selbst“, sagte die Kanzlerin. „Alle zählen, es braucht unser aller Anstrengung.“

Ganz persönlich wurde die Kanzlerin auch, als es in ihrer Ansprache darum ging, den Menschen, die bei schönstem Sonnenschein noch kurz vorher Parkanlagen und Cafés bevölkert hatten, den Ernst der Lage klarzumachen. Es gehe bei einer möglichen Überforderung der Krankenhäuser nicht einfach um abstrakte Zahlen einer Statistik, sagte die Kanzlerin, sondern es gehe um einen Vater oder Großvater, eine Mutter oder Großmutter, eine Partnerin oder einen Partner. Merkel warb: „Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge.“

Vorratshaltung ist in Ordnung, Hamstern unsolidarisch
Den Unternehmen und Arbeitnehmern gibt Merkel jene Garantie, auf die die Wirtschaft schon längst aus ihrem Mund gewartet hatte. Und auch die Ängste der Bürger sprach die Kanzlerin an, als sie versicherte: „Alle können sich darauf verlassen, dass die Lebensmittelversorgung jederzeit gesichert ist.“ Vorratshaltung sei in Ordnung, Hamstern unsolidarisch. Das ist er wieder, der Appell an die Solidarität.

Merkels Auftritt sei „sicher anders als der des pathetischen Präsidenten Frankreichs Emmanuel Macron oder des jugendlich wirkenden österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz (ÖVP)", wie die Deutsche Presse Agentur schreibt. Doch auch die Krisenmanagerin Merkel hat sich nun dem Volk in einer Fernsehansprache zugewandt. Sie schloss mit einem für sie ungewöhnlich persönlichen Wunsch: „Passen Sie gut auf sich und auf Ihre Liebsten auf. Ich danke Ihnen.“

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