15.07.2010 18:46 |

'Er ist kein Betrüger'

Maria Auer Welsbach im "Krone"-Gespräch

Wie geht's einer Frau, deren Mann als "Madoff vom Wörthersee" gilt? Den sie seit zehn Wochen nur in der U-Haft sehen kann? Maria Auer Welsbach gilt im Millionendebakel um die AvW-Finanzgruppe selbst als Verdächtige – im "Krone"-Interview redet sie jedoch offen über die Vorwürfe und die Versuche, Gatten Wolfgang zu verteidigen. "Die Firma ist sein Leben; er hat selbst jeden Cent hineingesteckt. Er ist kein Betrüger!"

"Krone": Sie sitzen mit ihrem Sohn in der Riesen-AvW-Villa...
Maria Auer Welsbach: ... das Elternhaus meines Mannes. Wäre es das nicht, wäre ich schon längst weg. Ich habe ja nicht einmal g'scheit Geld für den Strom. Aber ich bringe es nicht fertig, das im Stich zu lassen.

"Krone": Sie halten ja auch eisern zu Ihrem Mann.
Auer Welsbach: Was denn sonst? Er sitzt in U-Haft, ist völlig verzweifelt.

"Krone": Nichts für ungut, aber er gilt als einer der größten Betrüger Kärntens.
Auer Welsbach: Und ich hab' mitgepackelt, ja? Ach, soll doch jeder denken, dass wir die größten Verbrecher des Landes sind! Aber es ist einfach nicht wahr. Wolfgang hat kurz vor dem Krach noch selbst sein ganzes Geld in die eigenen AvW-Anleihen gesteckt. Warum sollte er das tun, wenn doch alles bloß ein Schwindel war?

"Krone": Vielleicht, weil das Wasser bis zum Hals stand?
Auer Welsbach: Stand es gar nicht. Die Firma war gut aufgestellt. Natürlich sind die Beteiligungen eingebrochen, wie überall auf der Welt. Aber schauen Sie, wir haben immer noch 10.000 Kunden, die zu uns halten.

"Krone": Wie bitte?
Auer Welsbach: Naja, von den 12.500 Anlegern haben mehr als 10.000 nicht geklagt. Die wissen, dass ihr Investment auch Risiken birgt. Wer vertritt eigentlich deren Interessen? Kann es in ihrem Sinne sein, dass die Masseverwalter alles billig verscherbeln?

"Krone": So billig war die Goldmünze Maple Leaf nicht – mit 3,27 Millionen Euro.
Auer Welsbach: Bitte, mein Mann hüpft in der Zelle, wenn er von der Münze hört! Die wäre locker das Doppelte wert gewesen. Ein Sammlerstück, eines von nur fünf weltweit! Und das wird zum Goldpreis rausgeworfen. Wahnsinn. Wie alles in dem Fall.

"Krone": Sie waren selbst im AvW-Vorstand. Was ist schief gelaufen?
Auer Welsbach: Ich war mehr für das Marketing zuständig. Von Aktien verstehe ich nicht so viel – mein Mann aber ist ein Finanzgenie. Denken Sie, wie gut die AvW-Anleihen früher immer unterwegs waren!

"Krone": Der Gutachter sagt, er hat die Kurse selbst festgesetzt.
Auer Welsbach: Blödsinn. Wie soll das denn gehen? Das hätte die Börse doch viel früher merken müssen, oder? Und die anderen Mitarbeiter hier im Haus dann ja wohl auch.

"Krone": Es wird ja gegen mehrere ermittelt, auch gegen Sie. Aber Ihr Mann soll...
Auer Welsbach: ...wie ein Patriarch allein agiert haben. Ich habe das Gutachten wohl auch gelesen. Stimmt alles nicht. Er kennt sich in seinem Geschäft aus, das ist alles. Ich weiß das, ich bin seit 21 Jahren bei ihm und der Firma.

"Krone": Es klingt schon ein wenig naiv, wenn Sie meinen, alles sei in Ordnung.
Auer Welsbach: War es aber. Ich verstehe auch nicht, warum Wolfgang in Haft sitzt. Fluchtgefahr! Ha. Unser Bub ist ganz fertig und hat gemeint, wie soll der Papa denn flüchten, er braucht uns doch immer zum Kofferpacken!

"Krone": Wie oft besuchen Sie ihn?
Auer Welsbach: Zwei-, dreimal die Woche. Ich hoffe, das bleibt so, dass man mich zu ihm lässt. Er fehlt uns doch furchtbar. Und es geht ihm natürlich auch nicht gut; er ist meist auf der Krankenabteilung.

"Krone": Wie schaut denn die nächste Zukunft aus?
Auer Welsbach: Am Montag ist wieder eine Haftprüfung. Wir hoffen halt und es wird heftig daran gearbeitet, alle Beschuldigungen widerlegen zu können.

"Krone": Ein Vorwurf ist ja der Luxus, in dem Sie geschwelgt haben. Noch aus der Zelle fordert Ihr Mann Geld.
Auer Welsbach: Sein Gehalt, das ihm zusteht! Ebenso wie mir meines. Der Masseverwalter hatte vergessen, uns zu kündigen. Und zum Luxus: Er hat immer hart gearbeitet. Jeder Cent floss in die Firma. Das Motorboot, okay, das war da, wurde kaum genutzt. Und der Rolls Royce – den hat er in den 80ern selbst restauriert! Wer will mit dem Auto schon fahren? Ich wollt's fürs Tierheim versteigern. Schade, dass das nicht mehr geklappt hat.

von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"

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