02.02.2020 19:30 |

Nicht viel vorzuwerfen

Thiem: „Es fehlt nicht mehr als ein bisserl Glück“

Österreichs Tennis-Ass Dominic Thiem hatte sich unmittelbar nach dem gegen Novak Djokovic verlorenen Einzel-Finale der Australian Open nicht viel vorzuwerfen. Der vergebene Breakball bei einer 2:1-Führung und 1:1 im vierten Durchgang sei ein entscheidender Moment gewesen, Djokovic habe das Break aber mit gutem Spiel abgewendet. Trotz der heutigen Niederlage fühlt sich Thiem weiterhin bereit für Großes bei den Majors …

Wie denken Sie über ihre Leistung heute, was hätten Sie gerne anders gemacht?
Ich denke, dass ich mir nicht sehr viel vorwerfen kann. Einige Fehler hier und da. Einen Volley bei 3:4 im vierten Satz, der an der Netzkante hängenbleibt oder diese Vorhand bei 1:1 im fünften Satz, 30:15. Das sind Bälle, wo ich ein bisschen riskiere, die ich genauso wieder spielen würde, ich mir da nicht wirklich etwas vorzuwerfen habe. Dann war natürlich noch eine Riesenchance, die vielleicht das Match endgültig in meine Richtung hätte lenken können bei 1:1 im vierten Satz, Breakball. Aber den wehrt er sehr, sehr gut ab. Von dem her habe ich mir nicht wirklich etwas vorzuwerfen.

Was hat für Sie im zweiten und dritten Satz gut funktioniert?
Im zweiten Satz habe ich ein gutes Break gemacht, dann hat er das Rebreak zum 4:4 und ich gleich das 5:4 geschafft und ausserviert. Ich habe mir die Führung gleich zurückgeholt und war im dritten Satz eine Art ‘Frontrunner‘. Er (Djokovic) hatte da offensichtlich Probleme. Das hat es alles einfacher gemacht, diesen Satz zu gewinnen. Den habe ich sehr gut runtergespielt. Dann hat er sich aber vollkommen davon erholt, Anfang vierter Satz.

Gab es einen Moment im Match, als Sie dachten, Sie hätten ihn?
Nein, diese Momente habe ich nie. Natürlich, wenn du 2:0 in Sätzen und 5:1 führst oder ähnlich, dann kann man zu sich sagen, man hat es. Aber niemals in einem Finale gegen einen wie Novak. Ich war daher weit entfernt davon, so etwas zu denken.

Was fühlen Sie emotional nach einem solchen Match?
Nun, ich denke, ich habe mich physisch selten so müde gefühlt, speziell nachdem jetzt all die Spannung abgefallen ist. Ich habe ein unglaublich intensives Spiel gegen Rafa (Rafael Nadal, Viertelfinale) gespielt, solch ein intensives Match gegen Sascha (Alexander Zverev) im Halbfinale. Heute wieder vier Stunden. Ich glaube, das war sehr anstrengend.

Auch wenn Sie heute verloren haben, worauf sind Sie am meisten stolz? Was nehmen Sie von diesem Turnier mit?
Natürlich war das Finale ein großartiges Match. Es waren sehr kleine Details, die entschieden haben. Dann die Art, wie ich mein Level, wie ich die Spannung zwei Wochen lang gehalten habe. Ich hatte keine einfachen Matches, besonders ab dem Viertelfinale. Rafa in mehr als vier Stunden zu besiegen, zwei Tage später gegen Sascha - ein unglaublich intensives, enges Match. Dann wieder zwei Tage später gegen Novak, der hier die meisten Titel geholt hat und wieder auf einem sehr hohen Level gespielt hat. Ich bin daher nun ziemlich sicher, dass ich über einen ganzen Grand Slam auf einem sehr hohen Level spielen kann. Ich hatte keine Einbrüche. Das macht mich nicht stolz, aber für die nächsten großen Turniere zuversichtlich.

Was braucht es, dass jemand diese Grand-Slam-Siegesserie der „Big Three“ bricht?
Ich glaube, es sind nur kleine Details. In den jüngsten zwei Endspielen - bei den US Open und hier- war es wirklich knapp. Es hätte auch für Daniil (Medwedew - Fünfsatz-Niederlage gegen Rafael Nadal bei den US Open, Anm.) und für mich hier ausgehen können. Es fehlt nicht mehr als ein bisserl Glück, kleine Details. Vielleicht wenn ich diesen einen Breakball im vierten Satz genutzt hätte, würde ich dann hier als Sieger sitzen. Es bedarf nur harter Arbeit von mir und den anderen jungen Spielern, die das Potenzial für einen Grand-Slam-Titel haben. Jedes dieser vier (Majors) muss ich mit Entschlossenheit spielen, was mir hoffentlich eine neue Chance bringen wird.

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