19.01.2020 06:00 |

Tochter verschwunden

„Kann erst trauern, wenn Leiche gefunden wurde“

Vor zwei Jahren verschwand in Wien eine junge Frau - spurlos. Der Fall gilt als ein Kriminalrätsel. Die Mutter der Vermissten gibt nicht auf, es lösen zu wollen: „Denn davor finde ich keine Ruhe.“

Brigitta Scharinger sitzt am Esstisch in ihrer Wohnung in Niederösterreich. Vor ihr liegen dicke Ordner mit Polizeiakten. Hunderte Male hat die 62-Jährige sie bereits gelesen, sie analysiert und Passagen aus Einsatzberichten und Vernehmungsprotokollen miteinander verglichen; und immer wieder ist sie dabei auf Details gestoßen, die - wie sie sagt - „kleine Teilchen eines großen Puzzles sind“.

Das Puzzle, das sie meint: die Hintergründe zu dem rätselhaften Verschwinden ihrer Tochter.

„Ich weiß, dass mein Kind nicht mehr lebt“
Was ist geschehen - damals, am 22. Jänner 2018? Diese Frage lässt die Mutter nicht los, nicht am Tag, nicht in der Nacht, „selbst in meinen Träumen verfolgt sie mich. Und ich werde nicht zur Ruhe kommen, bis ich die Antwort erfahren habe. Obwohl ich sie in Wahrheit ja längst schon weiß.“

Sie wisse, sie spüre, schluchzt die pensionierte Lehrerin, „dass mein Kind nicht mehr lebt“; sie wisse, sie spüre - dass es umgebracht wurde.

Die Fakten zu dem Fall: Jenni, 21 Jahre alt - Büroangestellte, nebenbei studierte sie Jus -, hatte den Abend des 21. Jänner 2018 mit einer Bekannten verbracht, in einem Lokal. Und die letzte U-Bahn nach Hause versäumt. Ihr Freund war vor Kurzem bei ihr eingezogen, in ihre Wohnung in der Ospelgasse in Wien-Brigittenau. Und Jenni rief ihn an - und bat ihn, sie mit seinem Wagen, einem gelben Toyota Celica, von Floridsdorf abzuholen.

Das letzte Foto der Vermissten
Was er offenkundig gemacht hat. Um 1.17 Uhr bekam das Mädchen, mit dem Jenni zuvor unterwegs gewesen war, jedenfalls per WhatsApp ein Foto geschickt; es zeigt das Paar in einer Garage in der Universumstraße, wo der junge Mann einen Garagenplatz hatte. Und dann? Verliert sich Jennis Spur.

Rasch geriet ihr Partner unter Verdacht. Wie die Kripo herausfand, hatten Jenni und er eine problematische Beziehung geführt; und gerade - wieder einmal - eine Trennung überlegt. Außerdem ergaben Untersuchungen seines PCs und nachträgliche Ortungen seines Handys, dass er sich „in den Wochen davor“ im Internet über die Wirkung von K.-o.-Tropfen und Betäubungsmitteln erkundigt hatte - und dass er „in den Tagen danach“ mit seinem Auto auf abgelegenen Wegen in der Natur herumgefahren war.

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Ich bin tieftraurig - aber ich kann um meine Tochter nicht trauern. Das werde ich erst tun, wenn ihre Leiche gefunden wurde.

Brigitta Scharinger über ihre Gefühle

Ganze Waldstücke wurden daraufhin wiederholt von der Polizei mit Spürhunden durchforstet - aber niemals wurde ein Hinweis gefunden, dass Jenni irgendwo in diesen Gebieten versteckt worden sein könnte.

„Keine Leiche, kein Tatbeweis“
„Keine Leiche, kein Tatbeweis“, so die knappe Erklärung eines Fahnders zu dem Umstand, dass die Ermittlungen gegen Jennis Freund - der bis heute behauptet, sie habe sich „sicherlich freiwillig abgesetzt“ - im vergangenen Jahr eingestellt wurden.

Suche in Eigenregie
Und nun sucht Brigitta Scharinger also in Eigenregie ständig „bestimmte Gegenden ab“, organisiert Baggerungen, gräbt selbst mit Schaufeln im Boden. Hat dabei schon oft - zunächst alarmierende - Entdeckungen gemacht; verbuddelte Plastiksäcke, in denen letztlich Müll war. Und unzählige Knochen. Die sie in der Folge den Behörden für genaue Analysen übergab: „Sie stammten alle von Tieren.“

„Ich warte doch so sehr auf den entscheidenden Tipp“
„Wer hat meine Tochter in ihrer Schicksalsnacht gesehen?“, fragt die verzweifelte Mutter jetzt die „Krone“-Leser, und sie bittet darum, ihre Telefonnummer (0699/11 01 93 56) zu veröffentlichen: „Denn ich warte doch so sehr auf den entscheidenden Tipp.“

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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