„Komische Erfahrung“

Pöltl über Play-off-Traum, Verletzung und ÖFB-Team

US-Sport
17.03.2026 09:20
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

15 Spiele stehen für Jakob Pöltl und seine Toronto Raptors in der regulären Saison der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA noch auf dem Programm. 15 Spiele, in denen es für Pöltl darum geht, seinen ersten Play-off-Einzug seit sieben Jahren zu fixieren. Gelingt der Sprung in die K.o.-Phase, hält der Wiener nicht einmal den Titel für ausgeschlossen. „Zur Zeit ist in der NBA viel möglich“, meinte Pöltl bei einem Medientermin mit österreichischen Journalisten.

  Die Raptors halten bei einer Bilanz von 38 Siegen und 29 Niederlagen. In den vergangenen drei Saisonen haben sie das Play-off jeweils verpasst. „Wir sind keine Mannschaft, die über die letzten Jahre schon angeklopft hat“, gestand Pöltl. In den K.o.-Spielen wäre man Außenseiter. Im Vorjahr habe es mit den Indiana Pacers aber ein solcher in ein alles entscheidendes siebentes Finalspiel geschafft. „Man muss nur im richtigen Moment einen Run starten können“, erklärte Pöltl. „Wir können uns schon hohe Ziele setzen. Wir müssen uns nicht verstecken, weil wir in dieser Saison auch gegen sehr starke Teams schon sehr gut gespielt haben.“

  Am Sonntag besiegte Toronto etwa Eastern-Conference-Leader Detroit Pistons mit 119:108. Pöltl brillierte mit 21 Punkten, 18 Rebounds und fünf Assists. Der 30-Jährige wollte seine womöglich beste Saisonleistung nicht überinterpretieren. „Grundsätzlich habe ich zur Zeit recht viel Selbstvertrauen. Mir geht es körperlich gut. Ich habe das Gefühl, ich habe einen Rhythmus. Man kann schon sagen, dass ich, gerade was diese Saison angeht, für mich auf dem höchsten Niveau bin.“

„Es war eine komische Erfahrung für mich“
Seine Rückenprobleme, die ihn von Mitte Dezember bis Mitte Februar zu 24 Spielen Pause gezwungen hatten, hat Pöltl mittlerweile im Griff. Einige seiner Routinen hätten sich geändert. „Das wird mir auch über die nächsten Jahre bleiben“, meinte der 2,13-Meter-Mann. Sein Aufwärmprogramm etwa habe sich um 15 bis 20 Minuten verlängert. „Da gehen sich meistens die ganzen Übungen aus.“

Mental sei die Phase schwierig gewesen. „Das Warten und Herumsitzen hat es nicht unbedingt besser gemacht“, erklärte Pöltl. Im Gegensatz zu anderen Verletzungen hätten ihm Ärzte gesagt, dass eine reine Belastungspause das Problem nicht aus der Welt schaffen würde. „Es war eine komische Erfahrung für mich.“

  Worum es sich genau gehandelt habe, konnte Pöltl nicht beantworten. „Es waren Rückenschmerzen, die mehr oder weniger aus dem Nichts gekommen sind.“ Er wisse daher auch nicht, ob sie in den nächsten Jahren wiederkehren könnten. „Da fehlt mir die Erfahrung damit. Zur Zeit geht es mir gut. Ich hoffe, dass das jetzt einmal so bleibt.“ Auch Spiele an aufeinanderfolgenden Tagen („back to back“), die er zuletzt nicht absolviert hat, schloss der Center nicht mehr aus.

(Bild: AP/Frank Gunn)

Wertvolle Play-off-Erfahrung
Pöltl bestreitet seine zehnte NBA-Saison. Druck, endlich einmal um einen Titel mitzuspielen, macht er sich deswegen noch nicht. „Ich treffe meine Entscheidungen, wie meine Karriere weitergeht, immer mit dem Ziel im Kopf, dass es irgendwann für eine Championship oder einen tiefen Play-off-Run reicht.“ Dazu komme der Einsatz, in jedem Training und Spiel das Beste zu geben. „Mehr kann ich nicht dazu beitragen. Mit dem Resultat, wie die Saison ausgeht, kann ich dann so oder so gut leben.“

  Sein Vertrag bei den Raptors läuft noch bis 2030. Für ihn selbst wäre es „cool“, erstmals seit 2019, damals mit den San Antonio Spurs, wieder eine Play-off-Serie zu bestreiten. Für die Entwicklung seines jungen Teams wäre die Erfahrung aber besonders „wertvoll“, meinte Pöltl. Toronto liegt im engen Rennen der Eastern Conference gerade noch auf einem fixen Play-off-Platz. Ab Mittwoch warten fünf Auswärtsspiele in Serie.

Mehr Energie dank Pause?
Fortschritte erkannte Pöltl bei seinem Team vor allem in der entscheidenden Schlussphase von Spielen („Crunchtime“) sowie im Umgang mit der langen Saison. „Es geht darum, wie man es schafft, im Jänner, Februar oder März durchzupushen, auch wenn alles wehtut und die Beine schwer sind.“ Er habe deutlich weniger Partien absolviert als seine Teamkollegen. „Deswegen habe ich das Gefühl, dass ich eigentlich eine ganz gute Energie habe. Ich glaube aber, es ist trotzdem besser, wenn man verletzungsfrei bleibt, Rhythmus hat und einfach die ganze Saison durchspielen kann.“

Die Situation mit seinem Rücken beeinflusst auch Pöltls mögliche Verfügbarkeit in den beiden abschließenden WM-Qualifikationsspielen von Österreichs Nationalteam Anfang Juli. „Ich werde auf jeden Fall mein Training anpassen müssen“, sagte der ÖBV-Star über seine Sommerplanung. Er wäre zumindest im ersten Sommer-Fenster gerne beim Nationalteam dabei. Zeitgleich geht in Nordamerika die Fußball-WM über die Bühne. Dabei traut Pöltl Österreich mehr zu als Co-Gastgeber Kanada. Das ÖFB-Team sei aber nicht sein Weltmeister-Tipp, oder? „Oh ja, Sieger, schreibt das auf dem Titelblatt“, antwortete der NBA-Profi mit einem Schmunzeln.

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