15.01.2020 10:05 |

6 von 7 Arten bedroht

Meeresschildkröten kämpfen ums Überleben

Plastikmüll, industrielle Fischerei und die Klimakrise setzen den ohnehin bereits stark gefährdeten Meeresschildkröten stark zu. „Schildkröten haben bereits zu Zeiten der Dinosaurier gelebt - aber in nur rund 500 Jahren haben wir Menschen sie an den Rand der Existenz getrieben“, resümiert Greenpeace-Klimasprecher Adam Pawloff.

In der Studie „Turtles Under Threat“ hat die NGO die Lage der Schildkröten untersucht und zehn weibliche Lederschildkröten in Französisch-Guyana mit Ortungssendern ausgestattet. Die Auswertung zeigt: Aufgrund von wärmeren Wassertemperaturen und Strömungsänderungen legen die Tiere doppelt so weite Distanzen zurück wie noch vor zehn Jahren.

Eiproduktion durch lange Wege beeinträchtigt
So beginnt ein Teufelskreis: Die durch die langen Wanderrouten verursachte zusätzliche Kraftanstrengung führt dazu, dass die Reptilien weniger Nachwuchs produzieren. Dazu kommt die gestiegene Temperatur des Sandes, in dem die Meeresschildkröten ihre Eier ablegen: Je wärmer der Sand, desto mehr Weibchen schlüpfen. In Australien wurde nun eine Schildkröten-Population gefunden, in der 116 Weibchen auf ein einziges Männchen kommen. Ein weiteres Problem sind Korallenriffe, die durch die Erderhitzung ausbleichen und in der Folge keine Nahrungsgrundlage mehr für etwa Karettschildkröten darstellen.

UN-Meeresabkommen gefordert
Neben der Klimakrise und ihren Folgen gibt es aber noch weitere Faktoren, die das Überleben der Reptilien gefährden: Sie landen weiterhin als Beifang in Fischernetzen oder ersticken an Plastik. Greenpeace forderte daher ein starkes UN-Meeresabkommen - damit sich Bestände wie die der stark gefährdeten Meeresschildkröten wieder erholen können. „Schildkröten sterben uns in rasantem Tempo vor den Augen weg. Um das Überleben dieser einzigartigen Tiere zu sichern, müssen alle Staaten dafür sorgen, dass bis spätestens 2030 mindestens 30 Prozent der Ozeane unter Schutz gestellt werden“, so Greenpeace.

200 Tiere von 50.000 verbleibend
An den Stränden Französisch-Guyanas gab es noch in den 1990er-Jahren mehr als 50.000 Lederschildkröten-Nistplätze pro Saison. Heute beläuft sich ihre Anzahl auf nicht einmal mehr 200. Bereits sechs von sieben Meeresschildkrötenarten sind von der Weltnaturschutzunion IUCN als stark gefährdet eingestuft. Vor allem bedarf es im offenen Meer miteinander verbundener Schutzzonen, damit die Schildkröten ohne Risiko ihre langen Wanderrouten zurücklegen können, schrieb die NGO. Es bleibt zu hoffen, dass den Tieren das traurige Schicksal der Jangtse-Riesenweichschildkröten erspart bleibt.

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