09.01.2020 06:00 |

Nr. 1 in Österreich

Immer mehr steirischer Boden wird zubetoniert

Die Steiermark ist der österreichweite Spitzenreiter im Bodenversiegeln - immer mehr Flächen werden zubetoniert. Bauen auf der grünen Wiese ist billiger als Renovieren, obwohl Experten genau das Gegenteil fordern. Das hat Konsequenzen für Menschen, Umwelt - und auch für unser Klima.

Das ist schon alarmierend: Gut drei Fußballfelder (2,7 Hektar) sind es durchschnittlich jeden Tag, die an steirischem Boden unter einer Betonschicht verschwinden, wie die Österreichische Hagelversicherung (ÖHV) im Dreijahresschnitt bis Ende 2018 errechnet hat. Das ist mehr als in jedem anderen österreichischen Bundesland. 

„Wir können uns nicht mehr selbst ernähren“
Und das hat Konsequenzen: „Wir können uns nicht mehr selbst ernähren“, sagt Biologin Ursula Stockinger vom Naturkundemuseum in Graz, die sich mit dem Thema beschäftigt hat. „Wenn wir das nicht können, müssen wir Nahrungsmittel zukaufen - und dafür werden anderswo Flächen gerodet.“

Außerdem sind Wiesen wichtige Speicher von CO2 - es gilt: je weniger Grünflächen, desto mehr Klimawandel. In den Städten verhindert der Beton Abkühlung in den Sommernächten.

Überschwemmungen drohen
Und auch bei Naturkatastrophen spielt das eine wichtige Rolle: „Lockerer Boden ist wie ein Schwamm“, erklärt Stockinger. Ist er zubetoniert - oder auch durch zu schwere Erntemaschinen zerstört -, kann der Boden das nicht. Bei starkem Regen drohen Überschwemmungen. Das hat Auswirkungen auf die Sicherheit der Menschen, aber auch auf Wirtschaft und Tourismus. Stockinger: „Obwohl wir das alles wissen, machen wir weiter.“

Experten fordern neuen Plan für Raumordnung
„Wir haben eine Raum-Unordnung“, sagt Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der ÖHV. „Österreich ist zersiedelt. Es wird von den Ländern zu wenig kontrolliert.“ Ähnlich sieht Stockinger die Lage: „Wenn am Land gebaut wird, dann auf super Agrarflächen. Es wäre gut, die Raumordnung zu überarbeiten.“

„Was einmal tot ist, bleibt tot“
Deswegen sollte die Divise laut den Experten lauten: Alte, leer stehende Gebäude renovieren statt neue auf die grüne Wiese stellen. „In Österreich gibt es 40.000 Hektar leer stehende Immobilien“, erklärt Weinberger. „Es ist aber nach wie vor günstiger, neu zu bauen.“ Es sei große Vorsicht geboten, denn: „Was an Boden einmal tot ist, bleibt tot.“

Tendenz abnehmend, aber Ziel weit verfehlt
So schlimm das alles klingt: Zumindest ist die Tendenz der vergangenen Jahre abnehmend. Zwischen 2016 und 2018 wurden laut Umweltbundesamt in Österreich 11,8 Hektar täglich beansprucht - neun Prozent weniger als zwischen 2015 und 2017. Am 2002 beschlossenen Ziel ist man trotzdem nicht angekommen: Das wären nämlich 2,5 Hektar pro Tag - weniger Fläche, als derzeit täglich in der Steiermark verbaut wird.

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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