07.01.2020 16:20 |

Brände in Australien

Mehr als 1,25 Milliarden Tiere starben im Feuer

Der Schrecken nimmt kein Ende: Die seit Wochen wütenden Buschbrände in Australien bedrohen nicht nur Menschenleben und Ortschaften. Die Folgen für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt des Kontinents sind verheerend. In den Bränden sind nach Angaben von Umweltschützern bereits mehr als eine Milliarde Tiere umgekommen: Etwa 1,25 Milliarden seien nach Schätzungen des WWF Australien direkt oder indirekt durch die Feuer getötet worden, teilte die Umweltorganisation am Dienstag in Berlin mit.

In Australien sind in den vergangenen Monaten 5,5 Millionen Hektar Land niedergebrannt - das entspricht der Fläche der Insel Irland. Die Universität von Sydney hatte am vergangenen Freitag eine Studie veröffentlicht, wonach seit September allein im besonders stark betroffenen Bundesstaat New South Wales 480 Millionen Tiere wegen der Feuer verendeten. Dabei handle es sich um eine „sehr zurückhaltende“ Kalkulation, erklärten die Autoren.

„Der größte Teil der Tierwelt ist tot“
Er gehe davon aus, dass landesweit bereits Milliarden von Tieren durch die Feuer ums Leben gekommen seien, sagte Professor Andrew Beattie von der Macquarie-Universität nahe Sydney, „wenn man Säugetiere, Vögel, Reptilien und größere Insekten wie Schmetterlinge mit einrechnet“. Es sei „ziemlich sicher, dass in großen Teilen dieser sehr ausgedehnten Brandgebiete der größte Teil der Tierwelt tot ist“, betont der Biologe. „Die Flora und Fauna ist fort.“

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„Die Flora und Fauna ist fort.“

Professor Andrew Beattie

Am Dienstag präsentierte der WWF neue Zahlen zu dem unvergleichlichen Massensterben: Die Zahl von rund 1,25 Milliarden toten Tieren sei mithilfe einer Methodik berechnet worden, die die Auswirkungen der Rodung von Landflächen auf die australische Tierwelt schätzt. Die Hochrechnung basiert laut WWF auf einer Studie von Chris Dickmann von der Universität Sydney. Bis zum Abklingen der Brände werde das volle Ausmaß der Schäden aber unbekannt bleiben, hieß es weiter.

Auf die Zahl kamen die Forscher der Universität Sydney, indem sie die Populationsdichte bestimmter Arten zugrunde legten und berechneten, wie viele Tiere auf der nun bereits verbrannten Fläche gelebt haben müssen. Die Forscher gingen von durchschnittlich 17,5 Säugetieren, 20,7 Vögeln und 1289,5 Reptilien pro Hektar (10.000 Quadratmeter) aus und multiplizierten diese Werte mit der nach derzeitigen Messungen verbrannten Fläche.

Der für Naturschutz zuständige Vorstand von WWF Deutschland, Christoph Heinrich, erklärte, seine Organisation sei „entsetzt über das Ausmaß der Zerstörung“. In Australien sei mehr Land verbrannt als bei den Bränden im brasilianischen Amazonasgebiet und im US-Bundesstaat Kalifornien zusammen.

Koalas besonders von Feuerkatastrophe betroffen
Besonders betroffen sind die ohnehin schon durch Krankheiten und den Verlust ihres Lebensraums bedrohten Koalas: Die Beuteltiere leben auf Bäumen, ernähren sich nur von bestimmten Eukalyptusarten und sind nicht schnell genug, um vor den Flammen zu fliehen. Schon vor den derzeitigen Buschbränden ging die Zahl der Koalas in New South Wales und Queensland zwischen 1990 und 2010 um 42 Prozent zurück - keiner weiß, wie viele nun durch die Buschbrände verendeten.

In einem Augenzeugenbericht im „Sydney Morning Herald“ ist zu lesen, wie die Tiere schreien, während sie im Flammenmeer sterben. Bilder von Tieren im Brandgebiet verbreiteten sich im Internet - etwa das eines Koalas, der an Bord eines Lastwagenfahrers Schutz findet. Die Feuer könnten ein Aussterben der Koalas in den nächsten Jahrzehnten beschleunigen, warnt der WWF.

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„Die Klimakrise verursacht keine Buschfeuer, aber sie macht sie viel verheerender.“

Christoph Heinrich, WWF Deutschland

„Die Klimakrise verursacht keine Buschfeuer, aber sie macht sie viel verheerender“, hob Heinrich hervor. Die Lage in Australien verdeutliche, „dass Klimakrise und Artensterben zusammen gedacht werden müssen“: „Ohne eine intakte Natur sind ambitionierte Klimaziele nicht zu erreichen. Wenn die Erderhitzung nicht begrenzt wird, werden mehr Tierarten ihren Lebensraum verlieren.“

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